Christian Ude: "Steinbrücks Image durch Kampagnen beschädigt"

Interview21. Mai 2013, 17:49
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Der SPD-Spitzenkandidat für Bayern wurde mit dem das Goldenen Ehrenzeichen des Landes Wien ausgezeichnet

Die jüngsten Probleme des SPD-Kanzlerkandidaten rühren vor allem von einer schweren Mediensituation, sagte der SPD-Spitzenkandidat für Bayern, Christian Ude, dem am Dienstag das Goldene Ehrenzeichen des Landes Wien verliehen wurde, zu Manuel Escher.

STANDARD: Sie liegen in Umfragen stabil bei 20 Prozent - Ihr Ziel liegt aber darüber. Gilt das noch?

Ude: Es gilt, dass ich mit einem Zuwachs von fünf Prozent rechne, das wären 23,7 Prozent. Als Liebhaber runder Zahlen wären mir 25 Prozent lieber. Ich bin zuversichtlich, das erreichen zu können.

STANDARD: Zur Regierung brauchen Sie wohl die Freien Wähler. Ist die Hoffnung realistisch, dass die sich nicht wieder der CSU zuwenden?

Ude: Sie haben sich noch nie der CSU zugewandt, sondern sich aus sehr guten Gründen von der CSU abgewandt. Sie sind von der Herkunft konservativ geprägt. Aber in 80 Prozent der Sachfragen im bayerischen Landtag stimmen sie mit SPD und Grünen ab, und nicht etwa mit der CSU.

STANDARD: Existiert diese Übereinstimmung auch bei den Wählern?

Ude: Wenn man sich an Sachfragen orientiert, spricht das für das Dreierbündnis. Wenn man nur die konservativen Befindlichkeiten würdigt, könnte das zur CSU deuten. Ich bin mir aber sicher, dass die Freien Wähler sich ansehen, welches Schicksal Steigbügelhalter der CSU bisher meist hatten.

STANDARD: Die SPD scheint derzeit in Umfragen nicht den Fuß in die Tür zu bekommen. Warum?

Ude: Es gibt großen publizistischen Gegenwind und Vorurteile, SPD habe etwas mit Steuererhöhung zu tun. Wobei ja Schwarz-Gelb Wahlen mit den Versprechen der Steuersenkung gewonnen, und fast nichts zustande gebracht hat. Wir müssen aber ehrlich sagen, dass vieles, was Menschen wollen, Geld kostet, und dass der Staat das auch einnehmen muss.

STANDARD: Die Wahlen in Bayern sind eine Woche vor den Bundestagswahlen. Zusätzlicher Druck?

Ude: Nein, das ist eine Chance, denn es gibt diesen Wahlen Gewicht. Und die Bundespartei wird uns auch aus eigennützigen Gründen helfen und unterstützen, wie schon lange nicht mehr.

STANDARD: Spitzenkandidat Peer Steinbrück ist jüngst mehrfach kritisiert worden. Bremst das auch Ihren Wahlkampf?

Ude: Ich habe mich gewundert, wie Peer Steinbrück für manche Äußerungen, die nichts als berechtigt und vernünftig gewesen sind, kritisiert wird. Kein Mensch in Deutschland versteht, warum jeder Sparkassenvorstand mehr verdient als die Kanzlerin. Aber wenn Peer Steinbrück diese schlichte Wahrheit ausspricht, fällt man monatelang über ihn her.

STANDARD: Wenn ihm das immer so widerfährt, hat er dann vielleicht ein Imageproblem?

Ude: Das Image wurde tatsächlich durch Kampagnen beschädigt, die den Eindruck erwecken, er wolle mehr Geld als Bundeskanzler oder es Muslimen ermöglichen, Mädchen von Jungen fernzuhalten. Beides sagte er nie. Er hat es mit einer schweren Mediensituation zu tun, aber das sind Sozialdemokraten in Deutschland ja gewöhnt.

STANDARD: In die Kritik geraten ist in Sachen Drohnen auch Verteidigungsminister de Maizière. Sind Konsequenzen zu ziehen?

Ude: Ich bin noch nicht so weit, über Konsequenzen nachzudenken, aber ich bin sehr überrascht, weil ich ihn stets als tüchtigen und seriösen Minister kennengelernt habe. Wir brauchen eine offene Debatte und Transparenz, dann kann man das beurteilen.

Christian Ude (65) ist seit 1993 Oberbürgermeister der Stadt München und wurde dreimal wiedergewählt. Im Herbst kandidiert er als SPD-Spitzenkandidat bei der bayerischen Landtagswahl. "

  • "Großen publizistischen Gegenwind" sieht SPD-Bayern-Kandidat Christian Ude.
    foto: andy urban

    "Großen publizistischen Gegenwind" sieht SPD-Bayern-Kandidat Christian Ude.

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