Südafrika als überraschendes Vorbild

21. Mai 2013, 20:48
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Medienfrauen debattierten beim Weltkongress des Internationalen Presseinstituts - Expertinnen einig: Journalistinnen sollten auch in Krisengebieten eingesetzt werden

Bei der Diskussion über "Gender Revolution – Die Rolle von Frauen in Medien" beim Weltkongress des International Press Instituts (IPI) tauchte ein Vorbild auf, das viele überraschte: Südafrika. Dort sind 50 Prozent der Ministerposten mit Frauen besetzt, 42 Prozent der Parlamentssitze und fünf von neun Provinzen werden von einer Frau geführt. 

"Sehr starke Zivilgesellschaft"

"Das war ein langer Weg, denn während der Apartheid waren nur Männer, weiße Männer, in Führungspositionen", erklärte Ferial Haffajee, die Chefredakteurin von "City Press", einer in Johannesburg herausgegebenen Sonntagszeitung.  2004 hatte sie als erste Frau in Südafrika einen Chefredakteursposten übernommen. "Wir haben eine sehr starke Zivilgesellschaft", lautet ihre Erklärung für den hohen Frauenanteil in Führungspositionen. Sie tritt für Quoten ein, wie sie am Podium erklärte: "Quoten sind der notwendige Weg. Es braucht Lobbyismus und einen Mechanismus. Ich würde mich nicht auf ein Boys-Network verlassen."

Ganz anders die Einschätzung von Ezgi Basaran, die als Chefin vom Dienst und investigative Reporterin bei der türkischen Zeitung "Radikal" arbeitet. "Quoten sind nicht die beste Antwort. Mentoring ist viel zielführender, wir können uns gegenseitig helfen." Vieles liege auch an den Frauen selbst, meinte die türkische Journalistin: wenn sie sich männlichen Verhaltensweisen in den Redaktionen anpassten, bei frauenfeindlichen Witzen mitlachten statt dagegen aufzutreten und weibliche Stereotypen in Medien weiter transportierten statt diese zu hinterfragen.

Medien tragen Mitschuld an weiblichen Stereotypen

Jumana Ghunaimat, Chefredakteurin der zweitgrößten jordanischen Tageszeitung "Al-Ghad", schloss sich dieser Ansicht an: "Wir tragen in den Medien zu diesen Stereotypen bei." Die Südafrikanerin Haffajee schilderte, dass in ihrem Medium ein Monitoringprozess gestartet worden sei, wie häufig Frauen zitiert werden. Wenn möglich, werde versucht, Ingenieurinnen zu interviewen, um Rollenbilder zu verändern.

Ihre jordanische Kollegin Ghunaimat verwies auf Erfahrungen, dass "manchmal eine Frau nur aus Prestigegründen irgendwo hingesetzt wird". Frauen in Führungspositionen müssten dann "Männer überzeugen, dass Frauen den Job auch können".

Moderatorin Rana Sabbagh, die das Netzwerk "Arabische Reporter für investigativen Journalismus" in Amman leitet, nannte als Beispiel die jüngste Regierungsumbildung in Jordanien: Keine einzige Frau sei nominiert worden. Darauf angesprochen habe der Premierminister gesagt, er habe auf Frauen einfach vergessen. In der Türkei sehe es nicht besser aus, warf Basaran ein: Das Frauenministerium sei vor kurzem zum Familienministerium umbenannt worden: "Das zeigt ganz gut, wie unsere Regierung Frauen sieht." Das Familienministerium sei übrigens das einzige, das von einer Frau geleitet werde.

Basaran: "Journalistinnen müssen auch in Krisengebiete"

Im Publikum wurde die Frage gestellt, ob Journalistinnen in Kriegs- und Krisengebiete geschickt werden sollen, weil sie Opfer sexueller Übergriffe werden könnten. Vehement bezog Basaran Stellung: "Es darf nicht sein, dass Frauen nicht in Krisengebiete dürfen. Sie müssen ihren Job tun dürfen." Die türkische Journalistin hat selbst aus Irak, Iran, Pakistan berichtet. Sie habe gelernt, gegen Stereotypen zu kämpfen und bei Attacken gleich welcher Art zu differenzieren, dass ihre Arbeit und nicht sie als Person gemeint sei. (Alexandra Föderl-Schmid, dieStandard.at, 21.5.2013)

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