Wer forscht, tut mehr für den Arbeitsmarkt

21. Mai 2013, 17:23
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Autoren des aktuellen Forschungs- und Technologieberichts: Keine Annäherung an das F&E-Ziel für 2020

Je mehr ein Unternehmen in Forschung und Entwicklung (F&E) investiert, desto stärker wächst auch die Anzahl der dort beschäftigten Mitarbeiter. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), die im "Forschungs- und Technologiebericht 2013" zitiert wird. Das Papier weist für 2013 eine Steigerung der F&E-Ausgaben in Österreich von etwa 255 Mio. Euro auf den Rekordwert von insgesamt 8,96 Mrd. Euro aus. Das ergibt laut der aktuellen Globalschätzung der Statistik Austria eine Forschungsquote von 2,81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Quote bleibt demnach unverändert.

Heimische Unternehmen mit hohen Ausgaben im F&E-Bereich haben zwischen 2009 und 2011 im Durchschnitt mehr Arbeitsplätze geschaffen als Unternehmen mit relativ niedrigen Forschungsausgaben. Investierte eine Firma weniger als drei Prozent ihres Umsatzes in die Forschung, wuchs die Beschäftigungszahl im Untersuchungszeitraum um 2,6 Prozent. Firmen, die mehr als 15 Prozent in F&E investierten, wiesen dagegen ein Beschäftigungswachstum von 7,3 Prozent auf.

Bei Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern zeigte sich dieser Effekt am deutlichsten: Blieben die Investitionen unter der 15-Prozent-Marke, tat sich bei den Beschäftigungszahlen fast nichts, wurde diese Marke aber überschritten, ergab sich ein Zuwachs von vier Prozent. Besonders groß waren die Steigerungsraten bei Unternehmen mittlerer Größe (zwischen 50 und 249 Mitarbeitern). War die Anzahl an Mitarbeitern, die im Bereich F&E tätig sind, bereits zwischen 2006 und 2009 hoch, erhöhte sich auch das Beschäftigungswachstum stärker.

Von derartigen Sprüngen ist die heimische Forschungsquote weiterhin weit entfernt. Die erneute voraussichtliche Erhöhung der F&E-Ausgaben sei insgesamt aber ein gutes Zeichen, sagt Wolfgang Polt von Joanneum Research, wo federführend an der Formulierung des FTI-Berichts gearbeitet wurde. In der Rückschau sei wichtig, dass Österreich in der Krise ein Absinken der Forschungsquote verhindern konnte.

Höhere Steigerungsraten nötig

Eine Annäherung an das 2011 in der Forschungsstrategie (FTI-Stategie) der Bundesregierung formulierte Ziel, die F&E-Ausgaben bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIPs zu erhöhen, weist der FTI-Bericht trotzdem nicht aus. Um gegenüber der Gruppe der "Innovationsführer" im jährlichen EU-Innovationsranking aufzuholen, brauche es höhere Steigerungsraten, so Polt. Mit Platz neun sei Österreich in diesem internationalen Vergleich zwar "gut platziert, aber nicht auf der Überholspur".

Hinsichtlich der Umsetzung der FTI-Strategie bleibt der Bericht vage und verweist auf die unter dem Vorsitz des Bundeskanzleramtes arbeitende "Task Force FTI". Von den zuständigen Ministerien der Ressorts Wissenschaft, Verkehr und Wirtschaft wird in einer Aussendung betont, " dass wir konsequent an der Umsetzung der FTI-Strategie arbeiten". Bis 2020 bedürfe es aber noch "außerordentlicher Anstrengungen und gezielter Investitionen, um Österreich an die Forschungsspitze der EU zu führen".

Österreich habe es geschafft, die F&E-Ausgaben im Unternehmenssektor auf den Stand vor der Krise zu bringen, sagt Polt. Das sei auch zu großen Teilen auf das Engagement der öffentlichen Hand (Grafik) zurückzuführen. 2013 ist laut dem Bericht eine Erhöhung der F&E-Ausgaben des Bundes um 2,8 Prozent auf 3,09 Mrd. Euro zu erwarten. (APA, red, DER STANDARD, 22.5.2013)

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