Wie ist es in Cannes so?

21. Mai 2013, 17:02
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Waltz macht inzwischen wohl wie jeder andere in Hollywood auch sehr viel Yoga, um für die weltweit gestellten Interviewfragen mental gerüstet zu sein

Dass beim ORF dort, wo Kultur draufsteht, nicht immer Kultur drin ist, ist keine Neuigkeit. Neu ist, dass das eventuell Spaß macht. Ein Beispiel: Für einen Bericht von den Filmfestspielen in Cannes (Kulturmontag spezial) traf ORF-Filmexperte Christian Konrad Schauspieler Christoph Waltz zum Gespräch. Das Hotelzimmer war edel, und der Inhalt des Interviews delikat: Es ging um Gefühle und das Sosein als Star.

Waltz macht inzwischen wohl wie jeder andere in Hollywood auch sehr viel Yoga, um für die weltweit gestellten Interviewfragen mental gerüstet zu sein. Die da lauten: 1.) "Wie ist es für Sie, in Cannes zu sein?"  2.) "Können Sie ungefähr den Gefühlszustand beschreiben, als Sie der Festivaldirektor für die Wettbewerbsjury angefragt hat?"  3.) "Wie kompromissbereit ist der Mensch Christoph Waltz?"  Nun, hier holte der sattelfeste Mime einmal kräftig aus: "Hm, es ginge zu weit, wenn man im Vorhinein schon über seine Kompromissbereitschaft eine Entscheidung fällen würde. Das kommt auf die Umstände an, sonst wäre es ja schon ein Prinzip und kein Kompromiss mehr."

Weiter ging es mit der Frage: "Ein Oscar kann Zufall sein, der zweite ist es mit Sicherheit nicht. Was hat denn der zweite Oscar für Sie bedeutet?"  - "Also so viel überlege ich das nicht, aber wenn Sie mich jetzt schon dazu auffordern ..."  Dann wollte Christian Konrad noch Folgendes klären: "Gibt es den Christoph Waltz, der manchmal alleine zu Hause sitzt und denkt: Boah!?"  – "Ich muss Ihnen gestehen, wie dankbar und froh ich bin, dass ich anderes zu tun habe."

"Gibt es eigentlich den 'großen Preis', den man für den Erfolg angeblich zahlen muss?"  - Ja, den gibt es. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 22.5.2013)

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