Homophobe in Tiflis verhaftet

21. Mai 2013, 18:28
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Erstmals Kritik am Patriarchen nach Schwulenattacken am Tag gegen Homophobie vergangenen Freitag

Tiflis/Istanbul - Am Dienstag, vier Tage nach den gewalttätigen Übergriffen auf Schwule und Lesben, die in der georgischen Hauptstadt Tiflis anlässlich des weltweiten Tages gegen die Homophobie demonstriert hatten, meldete das Innenministerium die Festnahme von vier Angreifern. Orthodoxe Priester, die den Mob von einigen Tausend Schwulengegnern angeführt hatten, sind offenbar nicht unter den Verhafteten.

Bei den Angriffen auf dem Rustaveli-Boulevard, der wichtigsten Straße im Zentrum Tiflis', wurden am vergangenen Freitag 28 Menschen verletzt, darunter auch Journalisten und Polizisten. Sicherheitskräfte retteten am Ende die Demonstranten und fuhren sie in einem Bus vom Rustaveli weg; zuvor hatten die Polizisten aber zugelassen, dass kreuzschwingende orthodoxe Priester und andere Homophobe die Absperrungen niederrissen und auf die Gruppe von Schwulen und Lesben losstürmten. Jagdszenen spielten sich nach der Evakuierung der Demonstranten im Zentrum von Tiflis ab. Gruppen von Männern suchten in Straßen und Geschäften nach " Schwulen".

Akte der Intoleranz

Bereits im vergangenen Jahr gab es zum 17. Mai tätliche Angriffe auf Schwule und Lesben in Tiflis. Das Ausmaß der Gewalt war dieses Jahr aber noch größer. Scharfe Kritik kam von der EU und dem US-Außenministerium. "Solche Akte der Intoleranz haben keinen Platz in demokratischen Gesellschaften", sagte ein Sprecher des State Department. Georgien will Mitglied der Nato und langfristig auch der EU werden.

In einer für Georgien ungewöhnlichen Wendung kritisierte Parlamentspräsident Davit Usupaschwili erstmals den Patriarchen. Ilia II. hatte am Vortag der Anti-Homophobia-Demonstration zu einem Verbot des Umzugs aufgerufen und Homosexualität als "Krankheit" bezeichnet. (Markus Bernath, DER STANDARD, 22.5.2013)

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    In einem Bus wurde die kleine Schar von Schwulen und Lesben nach einem Demonstrationsversuch in Tiflis evakuiert.

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