Roma-Debatte: Rudolf Sarközi empört über den Generalverdacht

21. Mai 2013, 19:02
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Volksgruppenchef der österreichischen Roma: Kinderbettelei nicht als ethnisches Phänomen charakterisieren

Wien - "Ich will keineswegs etwas schönreden", sagt Rudolf Sarközi, Volksgruppenchef der österreichischen Roma. Aber extra schlechtreden, wie das unlängst Norbert Ceipek getan habe, gehe auch nicht. Der Leiter der Wiener "Drehscheibe", die sich um unbegleitete ausländische Kinder kümmert, hat Kinderbettelei als ethnisches Phänomen charakterisiert. Und das stößt Sarközy sauer auf.

"Warum sagt man nicht ausländische Kinder, sondern Roma-Kinder?" Alte Stereotype würden da bedient. Man bekämpfe nicht die Armut, sondern deren Folgen, unter denen eine halt das Betteln sei. "Wenn auch nicht erstrebenswert, so immer noch besser, als kriminell zu werden."

Beschämend im Stich gelassen

"Ich weiß, was Armut bedeutet. Ich bin in Armut und Ausgrenzung aufgewachsen." Die osteuropäischen Roma seien beschämend im Stich gelassen worden. Von den eigenen Staaten ("Die sind froh, wenn sie weggehen. Sollen die neuen Gastländer sich um sie kümmern!"), aber auch von der EU, die diese Staaten nicht in die Pflicht nehme.

"Kinder gehören in die Schule." Daran seien die Herkunftsländer nachdrücklichst zu erinnern. Die großspurig in Brüssel gestartete Roma-Strategie 2020 werde, fürchtet Sarközi, nichts bringen, "wenn man die politischen Entscheidungsträger in den Heimatländern der Roma nicht verpflichtet, Maßnahmen zur Verbesserungen zu setzen". Die öffentliche Brandmarkung der Roma - die gedankliche Absonderung als die anderen - beleidige auch ihn, den Überlebenden des Holocaust, der im KZ geboren wurde und nach 41 Arbeitsjahren (25 Jahre davon bei der Stadt Wien) in Pension ging. In der er sich erst recht - "Bin ich jetzt auch ein Clanchef?" - einsetzt für die Seinen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 22.5.2013)

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    Der Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma, Rudolf Sarközi, während eines Festaktes anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April.

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