Leben und überleben mit Literatur

21. Mai 2013, 17:14
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Das sechste Literaturfest Salzburg mit Lesungen von Ruth Klüger, Eckhard Henscheid und Eva Menasse

Salzburg - "So gut reden hab ich wie die anderen, Adorno vorweg, ich meine die Experten in Sachen Ethik, Literatur und Wirklichkeit, die fordern, man möge über, vor und nach Auschwitz keine Gedichte schreiben. Die Forderung muss von solchen stammen, die gebundene Sprache entbehren können, weil sie diese nie gebraucht (...) haben, um sich seelisch über Wasser zu halten", schreibt die 1931 geborene Ruth Klüger in weiter leben (1991), jenem Erinnerungsbuch, in dem die Autorin und Germanistin ihre Jugend in Wien und das Überleben dreier Konzentrationslager schildert.

Sie sei nicht verrückt geworden, sie habe Reime gemacht, sagt die in den USA lebende Klüger, die mit der Literatur, speziell mit Gedichten, gelebt und überlebt hat. Um die Sprache als analytisches, zuweilen verstörendes, auf Nuancen pochendes, Erinnerungen speicherndes Lebenselixier dreht sich auch beim Literaturfest Salzburg vieles. Eröffnet wird die viertägige Veranstaltung heute um 19.30 Uhr in der großen Universitätsaula mit Lesungen von Ruth Klüger, Eckhard Henscheid und Eva Menasse.

Insgesamt reisen 27 Autoren und Autorinnen zu mehr als einem Dutzend Veranstaltungen an. Von den zahlreichen Höhepunkten seien besonders die donnerstägliche, unter dem Titel "Sprach: Welten" stehende Lesung von Felicitas Hoppe, Robert Schindel und Juli Zeh (19.30, Kavernen 1595) sowie eine Diskussion zum Thema "Rausch und Ekstase" mit Navid Kermani, Felicitas Hoppe und Claus Peymann (Moderation Konrad Paul Liessmann, Freitag, 19.30 Uhr, Theater im Kunstquartier) erwähnt.

"Sprach: Zauber" lautet Samstagabend das Motto im Republic, wo Péter Esterházy aus seinem Roman Esti liest und der festspielgestählte Schauspieler Ben Becker den "ewigen Brunnen", eine Auswahl deutscher Dichtung, präsentiert. Eine Hommage ist am Samstag (11 Uhr, Galerie Welz) einem außergewöhnlichen Stilisten, nämlich dem Salzburger Gerhard Amanshauser (1928-2006) gewidmet. Von Amanshauser stammen auch Zitate wie "Nur das Abgelegene ist heute noch menschlich", die sich wie ein roter literarischer Faden über die Schaufenster der Salzburger Innenstadt ziehen. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 22.5.2013)

  • "Ich bin nicht verrückt geworden, ich habe Reime gemacht": Ruth Klüger. 
    foto: r. newald

    "Ich bin nicht verrückt geworden, ich habe Reime gemacht": Ruth Klüger. 

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