In Japan geht die Post ab

21. Mai 2013, 16:07
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Investoren greifen verstärkt zu Japan-Fonds und hoffen auf die Renaissance des Landes dank billigen Geldes

Die Bullen haben Japan erobert. Das asiatische Industrieland hat sich innerhalb von wenigen Monaten vom kranken Mann zum Hoffnungsträger an den Kapitalmärkten entwickelt. Das Land der aufgehenden Sonne ist zum Markt der aufstrebenden Preise geworden. Die Leitbörsen in Japan haben eine explosionsartige Entwicklung hinter sich. In 100 Handelstagen ist der Topix um mehr als 58 Prozent gestiegen.

"Ein monumentaler Wandel im Ausblick der japanischen Unternehmen hat eingesetzt", sagt William Davies, Leiter für Globale Aktien bei der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle. Die lockere Geldpolitik der Bank of Japan, die von der Regierung unter Shinzo Abe zur wirtschaftlichen Stimulierung eingespannt wurde, ist ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Zuletzt ist die monetäre Basis massiv erhöht worden (siehe Grafik), in den kommenden Monaten sollen weiter Staatsanleihen angekauft werden.

Das führt unter anderem zu einem schwächeren Yen und beflügelt so die Exportunternehmen in Japan. Die anziehende Konjunktur – im ersten Quartal ist Japan so schnell gewachsen wie kein anderes Land der G7 – hat die Euphorie von Investoren geweckt. In der vergangenen Woche haben Anleger so viel Geld in Japan-Aktienfonds gesteckt wie noch nie, zeigen etwa Daten von Nomura. "Heimische Investoren haben die Rekord-Zuflüsse in Japan-Aktienfonds getrieben", betont Mark Driver, Analyst bei Nomura. Sie haben alleine fünf Milliarden Dollar in der vergangenen Woche investiert.

Strukturreform

"Doch Abenomics besteht aus mehr als nur Ankäufen von Staatsanleihen", betont Fondsmanager Davies. Er hofft etwa, dass Strukturreformen den Bankenmarkt antreiben und die höhere Inflation jenen Unternehmen nutzt, die Güter des täglichen Konsums produzieren, wie die Brauerei Asahi.

Analysten von Société Générale haben in einer aktuellen Studie die drei Pfeiler von vom ambitionierten Wirtschaftsprogramm mit dem Spitznamen "Abenomics" analysiert. Die geldpolitische Lockerung "geht ab wie die Post", so Stephen Church, Asien-Analyst der Bank. Die übrigen Teile des Reformpakets, wachstumsfördernde Maßnahmen auf der einen und höhere Staatsausgaben auf der anderen Seite, sind aber noch nicht in Fahrt. So will die amtierende Regierung etwa den seit Jahrzehnten verkalkten Bankensektor beleben.

Daher sehen nicht alle Finanzanalysten eine rosige Zukunft für die japanischen Finanzmärkte, die von der massiven Zentralbankliquidität angeheizt wurden. Chris Adams, Produktspezialist für Asien bei HSBC Global Asset Management, befürchtet etwa, dass "Japan für Kursschwankungen sorgen könnte". Denn nach wie vor seien wichtige Grundzüge der Politik nicht klar.

Der Hedgefondsmanager Kyle Bass geht weiter. Er befürchtet bereits eine Anleihenkrise am Horizont. Davon ist Japan noch weit entfernt, schließlich liegen die zehnjährigen Zinsen immer noch unter der Marke von einem Prozent. Doch der schnelle Anstieg bringt jedenfalls Probleme mit sich. Denn die japanischen Banken, die auf hunderten Milliarden an Staatsanleihen sitzen, müssen bei steigenden Zinsen Verluste auf ihre Papiere vermelden. Wenn sie dann aufgrund von roten Zahlen in der eigenen Bilanz weitere Anleihen abstoßen müssen, kann das den japanischen Anleihenmarkt erschüttern. Auch "Abenomics" hat Nebenwirkungen.

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