Die Liebe des Sohnes ist nicht käuflich

Rezension21. Mai 2013, 16:49
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Der eindrucksvolle rumänische Film "Mutter und Sohn" macht krankhafte Mutterliebe zum Thema – und beeindruckt mit intensiven Bildern. Der Berlinale-Sieger läuft ab Freitag in heimischen Kinos

Ein halbjunger Mann (Bogdan Dumitrache als Barbu) tötet bei einem Verkehrsunfall ein Kind. Er will dem Geschehenen entkommen und wird beim Versuch, es hinter sich lassen, doch fortwährend auf sich selbst zurückgeworfen. Und auf seine Mutter Cornelia (Luminita Gheorghiu). Die gehört zum Milieu neureicher rumänischer Aufsteiger und ist daran gewöhnt, in einer korrupten Gesellschaft alles kaufen zu können.

Die Grenzen des Geldes

Um den heiß geliebten und stets verhätschelten Barbu vor einer Haftstrafe oder Schlimmerem zu bewahren, spielt sie alle Trümpfe aus, die ihrer Meinung nach einer Oberschicht-Angehörigen zustehen: Sie versucht, Polizisten und Beamte zu bestechen und sogar die Nachsicht der in Armut lebenden Opferfamilie zu erkaufen. Doch bald merkt sie, dass die Liebe ihres Sohnes nicht käuflich ist.

Verzweifelt macht sich die klammernde Mutter daran, über die Aufarbeitung des tragischen Unfalls endlich Nähe zum Sohn herzustellen. Doch der weist sie zurück. Und kann ohne die Hilfe der Mutter das eigenen Leben doch nicht in den Griff bekommen. Das Befremden zwischen den beiden bleibt – und verfestigt sich sogar.

Berlinale-Sieger

Bei der diesjährigen Berlinale wurde "Mutter und Sohn" zum besten Film gekürt. Der Film sei ein "Lehrstück über krankhafte Mutterliebe", urteilte kürzlich "Die Zeit". Dem in Stuttgart aufgewachsenen Regisseur Calin Peter Netzer sind eindrucksvolle, beklemmende Bilder gelungen, die lange nachwirken. Netzer rückt seinen Figuren mit ständig in Bewegung bleibender, wackeliger Handkamera nah auf den Leib. Über eine persönliche Tragödie erzählt "Mutter und Sohn" die Tragödie einer Gesellschaft, die alle Menschlichkeit an Geld- und Machtgier verkauft. Empfehlung. (APA/lima, derStandard.at, 21.5.2013)

Mutter und Sohn

Regie: Calin Peter Netzer
Rumänien 2012, 112 Minuten
Österreichischer Filmstart: 24.5.2013

Link

Webseite des Filmes

  • Im Zentrum des Geschehens steht die halb trotzige, halb verzweifelte Cornelia (Luminita Gheorghiu).
    foto: x-verleih

    Im Zentrum des Geschehens steht die halb trotzige, halb verzweifelte Cornelia (Luminita Gheorghiu).

  • Um Barbus Haut zu retten, setzt Cornelia alle Hebel in Bewegung.
    foto: x-verleih

    Um Barbus Haut zu retten, setzt Cornelia alle Hebel in Bewegung.

  • Doch der erwachsenen Sohn stößt die Mutter zurück.
    foto: x-verleih

    Doch der erwachsenen Sohn stößt die Mutter zurück.

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