Regenwürmer verderben der Spanischen Wegschnecke den Appetit

21. Mai 2013, 18:06
posten

Boku-Studie: Würmer und Pflanzenvielfalt reduzieren Schäden durch invasive Art um bis zu 60 Prozent

Wien - Regenwürmer tragen wesentlich zur Verbesserung des Bodens bei. Sie produzieren Dünger, erleichtern Pflanzenwurzeln das Eindringen und sorgen für eine gute Belüftung. Nun haben Wissenschafter der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien in einer Studie eine weitere nützliche Qualität der Würmer festgestellt: Sie helfen Pflanzen dabei, sich besser gegen die Angriffe der gefürchteten Spanischen Wegschnecken zu schützen. Außerdem scheinen die eingewanderten Nacktschnecken weniger gefräßig zu sein, wenn sie in einer Umgebung mit verschiedenen Pflanzenarten zu Werke gehen. Diese Erkenntnisse wurden nun im Fachmagazin "BMC Ecology" veröffentlicht.

Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) gehöre offiziell zu den 100 schädlichsten eingewanderten Arten in Europa. Wie die Schädlinge auf verschiedene Umweltbedingungen reagieren, haben Forscher nun überprüft, indem sie Pflanzengemeinschaften mit niedriger und hoher Diversität anlegten und teilweise Regenwürmer zusetzten. Einige Wochen später ließen sie dann Nacktschnecken eine Woche lang ungestört fressen.

Bis zu 60 Prozent weniger Schneckenfraß

Dabei zeigte sich, dass der Schneckenfraß dann am höchsten war, als keine Regenwürmer und nur wenige Pflanzenarten vorkamen. Waren jedoch Würmer im Boden aktiv, sank die Zahl der angefressenen Pflanzenteile sowohl in den artenarmen als auch den artenreichen Ökosystemen um etwa 60 Prozent. Immerhin noch rund 40 Prozent weniger Schnecken-Schäden entstanden in Bereichen, in denen zwar keine Regenwürmer ihr Werk verrichteten, die Pflanzenvielfalt jedoch hoch war.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass hier zwei Prozesse am Werk sind", so Studienleiter Johann Zaller. Einerseits verbessern die Regenwürmer die Fähigkeit der Pflanze, sich gegen die Schnecken zu schützen, weil sie die Nährstoffversorgung der Pflanzen erhöhen. Die können dadurch mehr Abwehrstoffe produzieren, die für die Schnecken giftig sind.

Häufiger Nahrungswechsel bei vielfältigem Angebot

Den positiven Effekt der Pflanzendiversität erklären die Forscher damit, dass die Schnecken eher nicht auf ein vielfältiges Nahrungsangebot fliegen. Die Schädlinge seien zwar Generalisten, die fast alles fressen, bevorzugen laut Zaller aber Nahrung, die in großen Mengen verfügbar ist. In artenreichen Umgebungen seien sie zu häufigem Nahrungswechsel gezwungen, weil von jeder einzelnen Art weniger Exemplare vorhanden sind. "Das führt offenbar dazu, dass die Tiere insgesamt weniger fressen", so der Forscher.

Gärtner könnten daher ihre Pflanzen vor Schneckenfraß schützen, indem sie einerseits gute Bedingungen für Regenwürmer schaffen und andererseits eine möglichst hohe Pflanzenvielfalt aufrechterhalten. (APA/red, derStandard.at, 21.05.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die eingewanderte Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) hat die ursprünglich in unseren Breiten vorkommende Rote Wegschnecke (Arion rufus) weitgehend verdrängt. Äußerlich sind die beiden Arten kaum zu unterscheiden.

Share if you care.