Burgtheater: Thomas Königstorfer wird neuer kaufmännischer Direktor

21. Mai 2013, 14:43
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Kaufmännischer Geschäftsführer des Linzer Landestheaters wechselt im September nach Wien - Holding-Chef Springer: "Wir haben niemanden abgeworben"

Wien/Linz - Thomas Königstorfer, der kaufmännische Geschäftsführer des Linzer Landestheaters, wird neuer kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters. Er werde ab 1. September für die Dauer von zunächst 5 Jahren bestellt, teilte die Bundestheater-Holding am Dienstag mit. Erst vor wenigen Wochen hatte der 46-jährige Linzer als kaufmännischer Geschäftsführer der "Musiktheater Linz GmbH" (einen Posten, den er 2006 übernommen hatte) das neue Linzer Musiktheater mit eröffnet. Beweisen, dass sich der eindrucksvolle Bau, mit dem sich die Platzkapazität des Linzer Landestheaters beträchtlich erhöht hat, kostendeckend führen lässt, müssen nun andere.

Königstorfer studierte Wirtschaftsinformatik und dissertierte über "Rundfunkpolitik und Rundfunkmanagement". Er arbeitete als freier Mitarbeiter und Moderator für den ORF und baute ab 1989 die Marketing-Abteilung im ORF Oberösterreich auf. 1997/98 leitete er in Wien den Bereich der Marketing-Planung in der ORF-Generalintendanz, ehe er wieder nach Linz wechselte, wo er 2000 Kaufmännischer Direktor des Landestheaters und des Bruckner Orchesters wurde. In dieser Funktion verantwortete er die 2005 Ausgliederung der beiden Kultureinrichtungen in die "Oberösterreichische Theater und Orchester GmbH" 2005, wo er ebenfalls die kaufmännische Geschäftsführung übernahm.

Gibt nie einen idealen Zeitpunkt zum Wechseln

Er hoffe, dass sein Wechsel nach Wien keinesfalls als Fahnenflucht verstanden werde, betonte Königstorfer in einer ersten Reaktion. "Ich glaube, ich habe in den vergangenen sieben, acht Jahren gezeigt, wie sehr ich diesem Haus verbunden bin." Es sei vereinbart worden, dass er auch nach Aufnahme seiner Wiener Tätigkeit der Errichtungsgesellschaft "Musiktheater Linz GmbH" zur Verfügung stehen dürfe, "um die eine oder andere offene Schlussabrechnung zu Ende bringen" zu können. "Die wesentlichen Pflöcke", die einen auch kaufmännisch erfolgreichen Spielbetrieb in Linz sicherstellen sollen, seien bereits eingeschlagen und hätten sich schon in den ersten Wochen bewährt: "Wir spielen vor vollen Häusern. Bis zu Saisonende gibt es nur noch hier und da Restkarten. Und wir sind guter Dinge, dass der Trend im Herbst anhält. Die Abo-Zahlen im Kernbereich haben sich verdoppelt." Es gebe nie einen idealen Zeitpunkt zum Wechseln, doch eine Chance wie sie die Ausschreibung der Burgtheater-Position geboten habe, gebe es nicht alle Tage.

Er habe kein schlechtes Gewissen, denn "wir haben niemanden abgeworben, sondern es hat sich jemand bei uns beworben", sagte Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer. Die kaufmännische Geschäftsführung des Burgtheaters war im Februar ausgeschrieben worden. 56 Bewerbungen waren abgegeben worden, acht Personen wurden zum Hearing geladen, vier kamen in die engere Wahl. Es sei zwar "eine große Leistung, so ein Riesenprojekt so erfolgreich zu begleiten", meinte Springer im Hinblick auf den Bau des neuen Linzer Musiktheaters, durch die komplett andere Aufgabenstellung im Burgtheater sei jedoch neben der "erkennbaren Qualität und Qualifikation des Bewerbers" vor allem das souverän absolvierte Hearing Königstorfers ausschlaggebend gewesen.

"Keine einfache Aufgabenstellung"

Die seit 2008 im Amt befindliche kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky hatte sich nicht beworben und wird ab 1. September Stellvertreterin des künstlerischen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann. Dieser hatte zuletzt bei der Vorstellung des Spielplanes 2013/14 zwar auf einen guten laufenden Dialog mit der Politik, aber auch auf die prekäre finanzielle Situation seines Hauses hingewiesen: "Der Tag, an dem es nicht mehr geht, ist bereits verstrichen." - "Dass mich keine einfache Aufgabenstellung erwartet, ist mir sehr wohl bewusst", meinte Königstorfer. "Das Bestreben kann nur sein, im Dialog mit Politik und Sponsoren und mit vielen guten Ideen ertragseitig die Dinge zu verbessern und beim stetigen Versuch, auf der Kostenseite Schritte zu setzen, ohne die künstlerische Qualität einzuschränken, weiterhin nicht locker zu lassen." (APA, 21.5.2013)

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