Eine Dosis für zwei Euro: Droge "Sisa" erfasst Griechenland

22. Mai 2013, 05:30
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Das Methamphetamin kann in Kombination tödliche Wirkung haben - In Österreich ist kein Anstieg des Konsums erkennbar

"Sisa" heißt das Mittel, das tausende Obdachlose in Griechenland die Finanzkrise vergessen lässt. Die Droge gilt als "Kokain der Armen", da sie mit rund zwei Euro pro Dosis billig zu haben ist. Die Nebenwirkungen sind allerdings verheerend: "Als ich es das erste Mal nahm, bin ich komplett ausgeflippt", erzählt ein Süchtiger einem Reporter des Online-Portals "Vice".

Die Droge besteht zu einem Großteil aus Methamphetamin, das in einer kristallinen Form verkauft wird und auch unter dem Straßnamen Crystal Meth bekannt ist. Methamphetamin kommt auch in Speed vor. Es bewirkt, dass man sich länger wach fühlt, ein größeres Selbstbewusstsein entwickelt und besser konzentrieren kann. 

Große Suchtgefahr

Wie andere Methamphetamine kann auch "Sisa" schnell süchtig machen und fatale Nebenwirkungen auslösen: Die Droge kann Halluzination hervorrufen und bei hohen Dosen zu Kreislaufversagen führen. Auch von massiven Persönlichkeitsveränderungen wird gesprochen.

Batteriesäure und Motoröl

"Die Krise hat den Dealern die Möglichkeit gegeben, eine neue und billige Droge zu vertreiben", sagt Charalampos Poulopoulos, Leiter von Griechenlands angesehener Anti-Drogen-Einrichtung Kethea, der britischen Tageszeitung "Guardian". Die billigen Straßenpreise kommen dadurch zustande, dass Methamphetamin ohne chemische Vorkenntnisse aus legalen Mitteln aus dem Pharmagroßhandel gekocht werden kann.

Um das kristalline "Sisa" in eine Form zu bringen, in der man es rauchen kann, mischen die Konsumenten auch Mittel wie Batteriesäure, Shampoo oder Motoröl dazu. Diese Zusätze können aber eine tödliche Mixtur ergeben.

Kein neues Phänomen

Für den Wiener Drogenbeauftragten Alexander David ist die Droge kein neues Phänomen. "Sisa" sei nur ein neuer Name und somit Marketinggag für klassisches Methamphetamin, das es bereits seit den 1940er-Jahren in Europa gibt. Vor allem während des Zweiten Weltkriegs wurde es eingesetzt, um Soldaten die Hoffnungslosigkeit zu nehmen und sie leistungsfähiger zu machen.

In Österreich gebe es kein großes Problem mit der Substanz, da es eine gewisse Ablehnung gegenüber leistungssteigernden Drogen gebe. "Wir beobachten allerdings, dass es eine noch kleine aber stetig wachsende Gruppe junger Erwachsener gibt, die nur Methamphetamin konsumieren", sagt David: "Nur weil wir jetzt noch kein Problem mit der Substanz haben, heißt das nicht, dass wir es nicht bekommen können."

Hauptproduzent Tschechien

Einer der Hauptproduktionsorte von Methamphetamin liegt direkt an der österreichischen Grenze: Noch vor dem Zerfall der Tschechoslowakei entstanden in Tschechien so genannte "Meth-Labors" und das Land wurde zu einem großen Produzenten der Substanz in Mitteleuropa. "Alleine in der Stadt Brünn existieren zwischen vierzig und fünfzig illegale Küchen", sagt David.

In Deutschland ist die Droge aus Tschechien bereits auf dem Vormarsch. Das deutsche Bundeskriminalamt verzeichnete im Jahr 2012 insgesamt 2556 Personen, die nach dem Konsum von Crystal Meth auffällig geworden waren. Im Jahr 2011 waren es erst 1693 Menschen gewesen, was einem Anstieg von 51 Prozent entspricht.

Warnung vor Panikmache

Bei "Check It", der Informations- und Beratungsstelle zum Thema Freizeitdrogen der Suchhilfe Wien, erkennt man ebenfalls keinen Anstieg an Methamphetaminen auf dem Markt. Der wissenschaftliche Leiter der Stelle, Rainer Schmid, warnt zudem vor medialer Panikmache: "Die europäische Drogenbeobachtungsstelle berichtet jährlich von 70 neuen Substanzen auf dem Markt, mit denen wir aber zu einem Großteil nie zu tun haben." So würden sich die meisten Mittel bei den Konsumenten nicht durchsetzen. "Auch der Drogenmarkt besteht aus Angebot und Nachfrage", sagt Schmid.

Dass durch die Krise in Griechenland und 64 Prozent Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen der Drogenkonsum steigt, ist sowohl für David als auch für Schmid erklärbar. Vor allem in hoffnungslosen persönlichen Situationen würden Menschen zu illegalen Substanzen greifen, um zumindest geistig zu flüchten. Zudem macht das schlecht ausgebaute Sozialsystem des südeuropäischen Landes den Betroffenen eine Rückkehr in ein geregeltes Leben schwer.

Razzien der Polizei

Stattdessen helfen sich die griechischen Behörden mit großangelegten Razzien. Während solcher Aktionen verfrachten Polizisten Süchtige und Obdachlose in Fahrzeuge und bringen die Menschen aus den Stadtzentren in die Randbezirke. Auf diese Weise werden Einkaufszentren und Hauseingänge "gesäubert".

Laut dem griechischen Sozialarbeiter Charalampos Poulopoulos werde durch diese Polizeiaktionen das Problem aber nur verlagert. "Damit drängt man diese Menschen nur noch weiter an den Rand der Gesellschaft und in die Arme von Dealern, die ihnen Schutz versprechen." (Bianca Blei, derStandard.at, 21.5.2013)

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    Methamphetamine sind billig, einfach herzustellen und haben oft tödliche Nebenwirkungen.

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