Polen: Walesa beschimpft ehemalige Mitstreiter

21. Mai 2013, 14:17
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Polnische Freiheits-Ikone war Chef der Solidarnosc-Bewegung - Ausgangspunkt waren Zweifel an seiner Führerschaft beim Streik 1980

Warschau - Der ehemalige Vorsitzende der polnischen Gewerkschaft "Solidarnosc" (Solidarität) Lech Walesa hat zu einem Rundumschlag gegen alte Weggefährten aus dem antikommunistischen Untergrund ausgeholt. Die legendäre Straßenbahnfahrerin Henryka Krzywonos "hat kein Gehirn", erklärte er gegenüber Radio Zet. Zuvor hatte der ehemalige Staatspräsident den Anführer der polnischen Regimegegner in den 1970er Jahren, Bogdan Borusewicz, einer Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst SB verdächtigt. "Mein Image als polnische Legende ist mir egal, ich will nur, dass Lügner und Lumpen keine Helden aus sich machen", sagte Walesa.

Ausgangspunkt für die Ausfälle des Friedensnobelpreisträgers war ein Interview von Krzywonos. Die Mitstreiterin im Streikkomitee auf der Danziger Leninwerft 1980 erklärte dem Nachrichtenmagazin "Wprost", Walesa sei zwar der Anführer des Streiks gewesen - aber nur nach außen hin, "wegen seines Charismas". Borusewicz dagegen habe hinter den Kulissen "Regie geführt". Als Borusewicz, heute Präsident des Oberhauses, darauf nicht reagierte, holte Walesa zur ersten Verbalattacke aus. "Vom Streiken hattest du so viel Ahnung wie ein Büffel von den Sternen", erklärte er in einem offenen Brief. Später sagte Walesa dem Fernsehsender TVN24, er frage sich, ob Borusewicz damals "ein Provokateur oder ein Agent oder einfach zu schwach war und keine Ahnung von nichts hatte".

Seitdem rücken auch viele Walesa-Treue vom Symbol der antikommunistischen Bewegung in Polen ab. "33 Jahre habe ich ihn verteidigt, aber jetzt ist Schluss", erklärte der Musiker Zbigniew Holdys via Twitter und bezeichnete das Vorgehen Walesas als "niederträchtig". Andere Beobachter wiesen darauf hin, dass der ehemalige Gewerkschaftsführer seine Autorität Schritt für Schritt zerstöre. Erst im März hagelte es Kritik, weil Walesa gegen Homosexuelle wetterte. Abgeordnete, die sich zur ihrer sexuellen Orientierung bekennen, sollten am besten "hinter einer Mauer" sitzen, sagte er. Walesas Autorität litt schon im EU-Wahlkampf 2009, als er sich vom EU-Skeptiker Declan Ganley für dessen Partei "Libertas" einspannen ließ. (APA, 21.5.2013)

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    Lech Walesa.

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