Wie man ein Dorf aushungert

22. Mai 2013, 16:48
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Österreichs Gemeinden verhungern und vergeuden so ihr Potential für den Tourismus

In der strukturschwachen Obersteiermark sucht man verzweifelt nach Möglichkeiten, die Ausdünnung der Gemeinden durch Abwanderung zu bremsen, zu stoppen oder umzukehren. Besorgt und tief betroffen zeigt man sich über die Entwicklung in Gemeinden wie Eisenerz oder Vorderberg, wo die Bevölkerungszahlen immer weiter abnehmen.

Schön ist es da, für Wanderer und Sommerfrischler die ideale Umgebung für einen Erholungsurlaub. Allerdings gibt's die Erholung nur mit dem Auto - oder man bringt viel Zeit und Nerven mit. Wer nämlich versucht, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Hinterland vorzudringen, wird an den Fahrplänen verzweifeln. Vor allem am Wochenende ist stundenlanges Warten auf den Autobus ganz normal, die ehemalige (funktionstüchtige und elektrifizierte!) Bahnstrecke ins Vordernberger Tal, die Leoben und Hieflau verbunden hat und damit alle Gemeinden entlang der Strecke, verfault langsam aber beständig und könnte schon bald demontiert und rückgebaut werden. Wer das Tal nach 19 Uhr verlassen will hat Pech gehabt, dann ist der letzte Bus schon abgefahren.

Die Nahversorgung ist am Sand, die Läden sperren zu, die Menschen wandern ab, Pensionen, Geschäfte, Apotheken oder Wirtshäuser haben schon lange dicht gemacht und wanderwütige Besucher finden unter Umständen nicht einmal ein Bett zum Schlafen. Unbeeindruckt dessen wird weiterhin das Angebot an öffentlichen Verbindungen dezimiert und ohne Privatfahrzeug geht gar nichts mehr. Das Vordernberger Tal ist dabei nur eines von unzähligen Beispielen, wie in Österreich Gemeinden in den vergangenen Jahren konsequent ausgehungert wurden.

Das Privatauto ist nicht der Weisheit letzter Schluss, mit dem öffentlichen Verkehr werden die Lebensadern der kleinen Gemeinden gekappt, die Betroffenheit darüber wirkt wie blanker Hohn. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 22.5.2013)

  • Der "Spar-Bus" fährt samstags sowie an Sonn- und Feiertagen noch seltener als an Wochentagen.
    foto: mirjam harmtodt

    Der "Spar-Bus" fährt samstags sowie an Sonn- und Feiertagen noch seltener als an Wochentagen.

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