Man kann eben nicht alles haben

21. Mai 2013, 17:17
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Wiener Leichtathletik-Zentrum ist selbst für nationale Meetings nicht tauglich

Wien - Seit 13 Jahren konnten in der Sporthauptstadt Wien keine nationalen Leichtathletik-Titelkämpfe im Freien mehr abgehalten werden. In den letzten Jahren wäre die Durchführung eines solchen Meetings mangels Infrastruktur auch gar nicht mehr möglich gewesen. Diese doch bemerkenswerte Tatsache ändert sich auch nicht mit dem neuen Trainings- und Wettkampfzentrum für Leichtathleten, das bis Ende des Sommers im Wiener Prater entstehen soll.

Um 800.000 Euro wird die seit mehr als 35 Jahren bestehende Sportanlage in der Meiereistraße gegenüber dem Ernst-Happel-Stadion saniert und ausgebaut. Darauf haben sich der Wiener Verband (WLV) und die Stadt Wien verständigt. Sichergestellt werden sollen vor allem vernünftige Trainingsmöglichkeiten: Die bestehende Laufbahn hat sich durch Baumwurzeln an einigen Stellen schon gefährlich gehoben.

Statt acht Rundbahnen - wie bei nationalen und erst recht internationalen Veranstaltungen üblich - muss die Sportstätte aber weiter mit sechs Bahnen auskommen. "Es ist kein Platz, man hätte sonst die Tribüne abreißen müssen", sagt WLV-Präsident Walter Ottmann. Die Tribüne, die überdacht wird, braucht man aber für Zuschauer. Selbst für ein nationales Meeting ist sie aber viel zu klein. Um sie auszubauen, hätte man den ganzen Garderobentrakt wegreißen müssen.

Kein Problem

Laut Ottmann habe es auch Überlegungen zu einem umfassenden Neubau internationalen Zuschnitts gegeben. "Das Budget dafür hätte aber das Sieben- bis Achtfache betragen." Dieses Geld ließ sich nicht auftreiben, der zuständige Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SP) verwies auf " finanzielle Hürden". Natürlich sei es schön, wenn man internationale Leichtathletik-Meetings wie in Götzis und in Linz auch in Wien abhalten könnte. "Aber man kann nicht alles haben. Ich sehe kein Problem darin, wenn wir nicht alles in Wien haben."

Mit der Anlage im Prater, die am 5. Oktober mit den Meisterschaften der Geher eröffnet wird, erhält der WLV erstmals eine Heimstätte. Neben zwei zusätzlichen 110-Meter-Bahnen haben die Athleten dann je zwei Anlagen für Speerwurf, Weit-, Hoch- und Stabhochsprung sowie zusätzliche Plätze für Kugelstoß und Diskuswurf zur Verfügung. Vormittags sollen dort auch Schüler sporteln.

"Die Trainingsstätte ist kein Schmuckkästchen, aber das brauchen wir auch nicht", sagt Nationaltrainer Wilhelm Lilge dem Standard. "Im Vergleich zum Status quo bei den Schwimmern oder Turnern ist das fast Luxus." Blickt Lilge vom neuen Zentrum hinüber zum Happel-Stadion, wird er wütend. "Es ist traurig, dass genug Trainingsstätten vorhanden wären. Aber es gibt zu viele bürokratische Hindernisse. Im Stadion ist von 1. Dezember bis 31. März Wintersperre, egal, wie das Wetter ist. Danach darf wochentags von 16 Uhr bis 20 Uhr trainiert werden. Und da muss ich den Platzmeister jedes Mal bitten, dass er mir aufsperrt." (David Krutzler, DER STANDARD, 22.5.2013)

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ÖLV

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