Ungewollt Schwangere in Kanada klagen Hersteller

21. Mai 2013, 10:41
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In einer Sammelklage fordern Frauen Schadenersatz für Schwangerschaft und Kinder

Ottawa - Wegen des Verkaufs Anti-Baby-Pillen mit nicht ausreichendem Empfängnisschutz muss sich die Pharmafirma Apotex in Kanada auf ein teures Gerichtsverfahren einstellen: Eine Gruppe schwangerer Frauen hat am Freitag eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht und fordert 800 Millionen Kanadische Dollar (rund 610 Millionen Euro) Schadenersatz. Bei der Klage geht es nach Angaben der AnwältInnen um 45 ungewollte Schwangerschaften und vier Abtreibungen.

Schadenersatz für Kosten für Kinder

Als die Frauen von ihren Schwangerschaften erfahren hätten, seien sie "schockiert und sehr besorgt" gewesen, sagte der Anwalt Sandy Zaitzeff. Seine Klientinnen hätten durch die ungewollte Schwangerschaft finanzielle, ethischen, moralische und gesundheitliche Probleme zu bewältigen, so Zaitzeff in der Zeitung "The Globe and Mail". In der heutigen Welt Kinder großzuziehen koste Millionen Dollar. "Nur weil eine Frau mit einem Mann Sex hat, sollte sie nicht mit den Kosten für ein Kind belastet werden."

Zaitzeff betonte, dass der Gesundheitszustand der betroffenen Frauen genau überprüft worden sei. "In einigen körperlichen Verfassungen ist es nicht empfehlenswert schwanger zu werden, zum Beispiel, wenn eine Frau bestimmte Medikamente nimmt. In diesen Fällen ist eine Schwangerschaft nicht nur schwer, sondern eventuell auch gesundheitlich gefährlich für die Mutter und das ungeborene Kind".

500.000 Packungen zurückgerufen

Im April waren in Kanada rund 550.000 Packungen der Pille Alysena zurückgerufen worden, weil sie Verpackungsfehler aufwiesen. Laut dem Rückholaufruf von Apotex, der vom kanadischen Gesundheitsministerium verbreitet wurde, sei in einer Produktionseinheit statt der vorgesehenen sieben Placebopillen, die Frauen in einem 28-Tage-Zyklus zu sich nehmen sollen, 14 Placebo-Pillen verpackt gewesen. Somit wäre kein ausreichender Empfängnisschutz für diese Frauen gegeben.

Weil die Öffentlichkeit erst mit fünftägiger Verspätung informiert wurde, hat auch das Gesundheitsministerium Ermittlungen angeordnet. (APA/red, dieStandard.at 21.5.2013)

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