Mourinhos Ende in Madrid fixiert

21. Mai 2013, 16:21
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Real-Präsident Perez verkündete Trennung mit Saisonende - PSG legt Veto gegen Ancelotti-Abgang nach Madrid ein - Lewandowski, Bale und Isco im Einkaufswagerl

Madrid - Der Abschied von José Mourinho beim spanischen Fußball-Rekordmeister Real Madrid ist perfekt. Präsident Florentino Perez bestätigte am Montagabend die Trennung "in beiderseitigem Einvernehmen" zum Saisonende. Damit ist für den Starcoach der Weg frei für eine Rückkehr zum FC Chelsea. Neuer Trainer könnte Carlo Ancelotti werden, der bei Paris St. Germain bereits um eine Freigabe für einen Wechsel nach Madrid gebeten hat.

Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz vor 200 Journalisten betonte Perez, dass es sich um eine Trennung und nicht um eine Entlassung handle. Auch einen Vorvertrag mit einem neuen Trainer gebe es nicht. "Wir haben uns mit Mourinho auf dieses Vorgehen geeinigt. Wir wünschen José viel Glück für seine Zukunft, egal, wie es bei ihm weiter geht."

Mourinhos Vertrag bei Real lief eigentlich noch bis 2016 - doch nach einer enttäuschenden Saison ohne Titel war die Kritik an dem Portugiesen immer lauter geworden. "Das ist die schlechteste Saison meiner Karriere", hatte "The Special One" nach der bitteren Pleite im Pokalfinale gegen Atlético Madrid (1:2) gesagt. Zuvor hatte Real bereits die Meisterschaft an den überlegenen Erzrivalen FC Barcelona verloren und im Champions-League-Halbfinale gegen Borussia Dortmund den Kürzeren gezogen.

Magerste Bilanz in der jüngeren Vereinsgeschichte

"Mehr Streitigkeiten als Titelgewinne", fasste das Sportblatt "Marca" die bewegte Mourinho-Ära bei den Königlichen zusammen. Der Trainer hatte sich einmal mit der Clubführung, einmal mit den Spielern, den Fans, den Schiedsrichtern oder der Europäischen Fußball-Union (UEFA) angelegt. Im Vergleich zu den Konflikten ist die Zahl der Titel überschaubar: In drei Jahren gewann Mourinho mit Real nur einmal den Pokal, einmal die Meisterschaft und einmal den Supercup. Das ist in der jüngeren Vereinsgeschichte die magerste Bilanz, die ein Real-Trainer in drei Jahren erzielte.

Alles andere als ein Wechsel zu Europa-League-Sieger Chelsea wäre nun eine Überraschung. Etwa 12 Millionen Euro pro Jahr kann Mourinho angeblich bei dem Klub verdienen, den er bereits zwischen 2004 und 2007 betreute. Eine Aufstockung des Kaders soll es als Geschenk obendrauf geben.

Scheich Nasser al-Khelaifi will Ancelotti halten

Spannend bleibt die Frage nach dem neuen Real-Trainer. Ancelotti will Paris zwar in Richtung Spanien verlassen, der frisch gebackene französische Champion PSG legte allerdings sein Veto ein. "Wir haben vor einigen Tagen in Paris wegen Ancelotti angefragt, aber eine Absage erhalten. Ich kann aber versichern, dass wir nicht ein, zwei oder drei Trainer im Hinterkopf haben, sondern mehrere", sagte Perez, der es "gerne gesehen hätte, wenn Mourinho weitergemacht hätte."

Der millionenschwere PSG-Boss Nasser al-Khelaifi hatte seinem italienischen Angestellten erst am Wochenende ebenso eine Abfuhr wie schon zuvor Real-Geschäftsführer Jose Angel Sanchez erteilt. "Er sagte, dass er zu Real gehen möchte. Ich sagte, dass das nicht möglich ist, da er noch ein Jahr Vertrag hat. So lautet unsere Entscheidung", berichtete al-Khelaifi dem französischen Internetportal beinsport.fr über das Gespräch mit Ancelotti.

Vertrags- und Ablöse-Spekulationen

Eine möglicherweise schon erzielte Einigung zwischen Ancelotti und Real interessiert den Katarer nicht: "Ich denke, dass er einen Vorvertrag hat. Aber das ist sein Problem, nicht unseres. Wir haben ihm sogar eine Vertragsverlängerung über ein Jahr angeboten."

Ancelottis Outing ("Mein Wunsch ist es, den Verein zu verlassen") kann nur als Reals nächster Schachzug in den Bemühungen um den 53-Jährigen gewertet werden. Denn bereits vor Wochenfrist hatte Sanchez beim PSG-Boss für seine Anfrage zu Ancelotti einen Korb bekommen.

Voraussichtlich muss Real für Ancelotti, der erst Anfang 2012 an die Seine gekommen war, sehr tief in die Tasche greifen. Angesichts der sprudelnden Öl-Millionen der PSG-Investoren um al-Khelaifi erscheint offen, welche Ablöse die Katarer überhaupt beeindrucken könnte. 

Lewandowski, Bale, Isco

Das Jahr eins nach "Mou" soll auch mit einer umgekrempelten Mannschaft um den Dortmund-Stürmerstar Robert Lewandowski die zuletzt vermissten Erfolge bringen. Gespräche mit einem BVB-Vertreter  über den Wechsel des 24-jährigen Polen zu den "Königlichen" gab es bereits, berichtete der gewöhnlich gut informierte Radiosender Cadena SER.

Während Mourinho am Dienstag eine seiner letzten Trainingseinheiten leitete und sich ansonsten weiter in Schweigen hüllte, begann sich das Spekulationskarussell in der spanischen Hauptstadt immer schneller zu drehen. Real habe die Jagd nicht nur auf Lewandowski, sondern auch auf Gareth Bale von Tottenham Hotspur und Malaga-Spielmacher Isco intensiviert, berichteten die spanischen Gazetten.

Außerdem ist der Verein nach Medienberichten bereit, bis zu 120 Millionen Euro auszugeben, damit Brasiliens Wunderkind Neymar nicht zum Meister und Erzrivalen FC Barcelona wechselt. Perez, der eine positive Bilanz der drei Mourinho-Jahre zog ("Real ist jetzt da, wo es hingehört"), will sich noch vor dem 16. Juni mit zugkräftigen Verstärkungen schmücken. (red/SID/APA, 21.05.2013)

  • Mourinho (li) geht, Perez (re) bleibt.
    foto: epa/juan carlos hidalgo

    Mourinho (li) geht, Perez (re) bleibt.

  • Der scheidende Real-Coach wird bereits sehnsüchtig in London erwartet.
    foto: epa/ady kerry

    Der scheidende Real-Coach wird bereits sehnsüchtig in London erwartet.

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    Steckbrief José Mourinho (50 Jahre):

    Geboren: 26. Jänner 1963 in Setubal/Portugal.

    Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

    Vereine als Spieler (1980-1987): Rio Ave FC, Belenenses Lissabon, Sesimbra, Comercio e Industria

    Vereine als Trainer: CF Estrela Amadora (1990/91), AD Ovarense (1991-93), Sporting Lissabon (1993/94), FC Porto (1994-96), FC Barcelona (1996-2000, jeweils als Co-Trainer). Benfica Lissabon (2000), Uniao Leira (2001/02), FC Porto (2002-04), FC Chelsea (2004-07), Inter Mailand (2008-10), Real Madrid (2010-13).

    Erfolge als Trainer: - Sieger Champions League mit dem FC Porto 2004 und Inter Mailand 2010, Sieger UEFA-Pokal mit dem FC Porto 2003 - Landesmeister 2003, 2004 (FC Porto), 2005, 2006 (FC Chelsea), 2009, 2010 (Inter Mailand), 2012 Real Madrid - Pokalsieger 2003 (FC Porto), 2007 (FC Chelsea, dazu Ligapokalsieger 2005 und 2007, Supercup-Sieger 2005), 2010 (Inter Mailand), 2011 (Real Madrid)

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