Prag verbannt Straßenmusiker aus Stadtzentrum

20. Mai 2013, 19:43
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Nach Anrainerprotesten verschärfte die Stadtverwaltung Vorschriften wieder

Der Trubel in den Gassen der Prager Innenstadt ist seit voriger Woche um eine Facette ärmer. Sänger, Geiger und Jazztrompeter sind aus dem Straßenbild weitgehend verschwunden, nachdem eine Verordnung die Musiker aus Teilen des Stadtzentrums verbannt hat. Betroffen sind vor allem Touristenmeilen wie der Burgplatz, der Altstädter Ring oder die engen Gassen, die sich von dort zur berühmten Karlsbrücke schlängeln. Auf einigen Plätzen gelten besonders strenge Regeln - sogar Zauberer, Feuerschlucker und Pantomimen wird man dort vergeblich suchen.

Erst im Vorjahr gelockert

Erst vor einem Jahr waren die meisten Vorschriften für Straßenkünstler in Prag aufgehoben worden, nun rudert die Stadtverwaltung zurück. Insbesondere laute Musik hatte immer wieder für Probleme gesorgt. "Da gab es vonseiten der Bürger die meisten Beschwerden", erklärt Miroslav Stejskal von der Prager Stadtpolizei. Im Zuge der Kontrollen wird vorerst einmal nur aufgeklärt und weggeschickt, Geldstrafen gibt es lediglich für Wiederholungstäter. Anhaltende Konflikte zeichnen sich indes nicht ab. Bereits am ersten Tag wurde die neue Regelung von den meisten Musikern befolgt, lediglich fünf mussten ihre Instrumente einpacken.

Auch wenn die Verordnung derzeit also keine großen Wellen schlägt - umstritten ist sie allemal. Die Stadt solle doch lieber die Verkäufer von überteuertem Ramsch verjagen, heißt es in einem Kommentar der Tageszeitung Lidové noviny in Anspielung auf die zahlreichen Souvenirläden im Stadtzentrum.

Und Dalibor Zíta von der Bürgerinitiative BuskerVille befürchtet, dass die Probleme mit der Lärmbelästigung nun sogar eher noch größer werden: " Wenn man die Straßenkünstler von den großen Boulevards und den wichtigsten Touristenpfaden verdrängt, dann werden sie auf Plätze ausweichen, die sich weniger gut eignen", so Zíta. Seit 2010 setzt sich BuskerVille für Kunst im öffentlichen Raum ein. "Viele Städte Europas haben ihre Stars, die auf der Straße begannen und dann Karriere gemacht haben", heißt es auf der Internetseite der Organisation. "Prag schöpft dieses kulturelle Potenzial leider nicht aus."

Dalibor Zíta räumt jedoch ein, dass gerade an den touristisch meistfrequentierten Plätzen die Qualität der Darbietungen oft recht fragwürdig erscheint.

Faschingsindianer

Vielleicht hat er dabei ja den Mann mit dem Indianerkopfschmuck vom Kinderfasching im Sinn, der in Sandalen, Shorts und Ruderleiberl über den Altstädter Ring hüpft, ein bisschen trommelt und ab und zu Indianergeheul ausstößt. Und das nicht ohne Erfolg, denn immerhin: Mit einem Video, das neben seiner Performance auch etliche spendierfreudige Touristen zeigt, hat er es im Internet zu einiger Berühmtheit gebracht.

Und zu Prag passt er gewiss auch nicht schlechter als die russischen Matroschkas in den Souvenirshops. (Gerald Schubert aus Prag, DER STANDARD, 21.5.2013)

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    Bilder wie diese sieht man künftig selten in der Prager Innenstadt: Eine neue Verordnung hat die Musiker aus Teilen des Stadtzentrums verbannt.

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