Nordkosovo: Berlin macht Druck

20. Mai 2013, 18:44
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Außenminister Westerwelle in Belgrad und Prishtina

Belgrad/Prishtina/Zagreb – Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle erinnerte sich an seine Jugend, als er Serbien besuchte, lobte die Schönheit von Belgrad und die freundlichen Gesichter. "Der beste Teil der Zukunft liegt noch vor uns" , prophezeite er. Sein Gastgeber, der starke Mann Serbiens, Vizepremier Aleksandar Vucic, war da schon weniger euphorisch, als er am Sonntag den Besuch aus Deutschland empfing.

Er sei von Natur aus Pessimist, meinte Vucic, aber er wisse, dass Serbien ein Datum für den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen verdient habe. Man habe in acht Monaten mehr zusammengebracht als andere in zehn Jahren, sagte Vucic. Nun wolle man von den deutschen Freunden aber auch Taten sehen, nämlich in Form von wirtschaftlicher Hilfe "und nicht nur zwei Tage Lob in den Zeitungen" . Nach seinem Besuch in Belgrad reiste Westerwelle am Montag weiter in den Kosovo, um auch mit kosovarischen Spitzenpolitikern über die Umsetzung des 15-Punkte-Plans für den Nordkosovo, der am 19. April vereinbart wurde, zu sprechen.

Heute, Dienstag, kommen der serbische und der kosovarische Premier, Ivica Dacic und Hashim Thaçi, abermals unter Vermittlung der EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton in Brüssel zusammen, um weiter über den Nordkosovo zu verhandeln. Deutschland verlangt vor einer Zustimmung zu einem Datum für den Beginn von EU-Verhandlungen mit Serbien konkrete Schritte in der Umsetzung des Plans. (Adelheid Wölfl /DER STANDARD, 21.5.2013)

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    "Wir gehören zur selben europäischen Familie", sagte Westerwelle (li.) zu Vucic in Belgrad. 

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