Kleintiere mit Raumkapsel ins All geschossen: Zahlreiche Todesopfer

19. Mai 2013, 19:05
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Tiere befanden sich einen Monat lang im Orbit - Stress und Pannen forderten ihren Tribut

Moskau - Nach einem Monat im All ist eine russische Raumkapsel voller Kleintiere zur Erde zurückgekehrt. Die Bion-M getaufte Forschungskapsel landete am Sonntagmorgen mithilfe eines Fallschirms in der Region Orenburg rund 1.200 Kilometer südöstlich von Moskau, wie die russische Akademie der Wissenschaften mitteilte. Einige der kleinen Weltraumbesucher überlebten die Reise allerdings nicht. Wissenschafter hoffen auf wichtige Daten aus den insgesamt 29 gelungenen Experimenten, um künftige bemannte Langzeit-Missionen unter anderem zum Mars vorzubereiten.

Der Mini-Zoo war am 19. April mit einer Sojus-Trägerrakete ins All gebracht worden. Schon vor dem Start starben zwei der Mäuse - sie wurden kurzfristig noch ausgetauscht. Die Tiere an Bord von Bion-M wurden in fünf Spezialcontainern gehalten, die sich nach Erreichens des Orbits in 575 Kilometern Höhe automatisch öffneten und kurz vor der Rückkehr auf die Erde wieder schlossen.

Traurige Bilanz

Von 45 Mäusen an Bord habe mehr als die Hälfte den Trip ins All nicht überlebt, sagte Wladimir Sytschow von der Akademie der Wissenschaften nach der Rückkehr russischen Nachrichtenagenturen. Doch mit dieser Todesrate unter den Mäusen hatten die Forscher ohnehin gerechnet. Als Fehlschlag erwies sich allerdings das Experiment mit den Wüstenrennmäusen. Hier starben alle acht Nager wegen einer Fehlfunktion. Ansonsten hat es keine weiteren ungeplanten Opfer gegeben. Neben den Kleinsäugern reisten noch 15 Geckos, Schnecken, junge Buntbarsche, einige Pflanzen sowie Mikroorganismen ins All.

"Es ist das erste Mal, dass Tiere so lange allein im Weltraum waren", sagte Sytschow. Dass viele der kleinen Lebewesen sterben würden, wurde demnach erwartet. Pannen verschlimmerten die Bilanz: "Wegen Geräteausfällen haben wir leider alle Wüstenrennmäuse verloren."

Auswertung läuft

Die russische Raumfahrtbehörde wollte mit dem Experiment vor allem die langfristige Auswirkung der Schwerelosigkeit sowie kosmischer Strahlung auf Organismen testen - insbesondere auf das Skelett, das Nervensystem sowie Muskeln und Herz. Die Experimente würden nun im Moskauer Institut für medizinisch-biologische Probleme ausgewertet, wie der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter Jewgeni Ilin sagte. Biologen auch aus Deutschland, den USA und Frankreich arbeiteten mit dem Team.

Mit Aufschlüssen über den Zustand der Tiere rechnet Ilin schon an diesem Montag. Die Untersuchungen dazu, wie sich Schwerelosigkeit auf Gene auswirkt, werde aber Monate dauern. Hintergrund der Mission: Russland hat angekündigt, ab 2030 eine Basis auf dem Mond errichten zu wollen, um von dort aus dann schließlich Kosmonauten auf die monatelange Reise zum Mars zu schicken. (APA/red, derStandard.at, 19. 5. 2013)

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