Fossil eines unbekannten Plesiosauriers schlummerte im Archiv

20. Mai 2013, 20:09
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Knochen waren ein Jahrhundert lang verkannt worden - nun als neue Art identifziert

Berlin - Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Fossilien unbekannter Spezies manchmal auch ganz ohne Graben gefunden werden können - höchstens durch "Graben" im übertragenen Sinn. Im Geomuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster harrte ein solches Stück über ein Jahrhundert lang seiner Entdeckung, wie das Berliner Museum für Naturkunde berichtet: das Skelett einer Plesiosaurier-Art.

Ausgegraben wurden die Knochen bereits im Jahre 1912 in einer ehemaligen Ziegeleigrube bei Gronau im deutschen Westfalen. Die erste Erwähnung des Skeletts erfolgte im Jahre 1914. Damals schrieb der Paläontologe Theodor Wegner, dass das Skelett verschieden von dem damals neu beschriebenen Brancasaurus, einem anderen Plesiosaurier, sei. Eine wissenschaftliche Bearbeitung erfolgte jedoch nie.

Neue Art

Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde konnte das Fossil nun als Plesiosaurier einer bislang nicht bekannten Spezies identifizieren. Gronausaurus wegneri, so die gewählte Bezeichnung, war ein drei Meter langes Tier, das vor ca. 137 Millionen Jahren durch die kreidezeitlichen Meere und Flussdeltas jagte. "Im Prinzip stellt jedes Fossil ein Unikat dar, aber die Überreste einer neuen Art in den Händen zu halten, gehört schon zu den besonderen Momenten", so Hampe.

Plesiosaurier entwickelten sich vor über 200 Millionen Jahren und hielten sich bis zum Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Sie brachten Arten mit extrem langgestrecktem Hals wie den Elasmosaurus ebenso hervor wie Spezies, die noch gedrungener gebaut waren als das nun entdeckte Exemplar. Die größten Plesiosaurier konnten über 15 Meter lang werden. Gronausaurus wegneri war also ein eher kleiner Vertreter seiner Verwandtschaft. (red, derStandard.at, 20. 5. 2013)

 

  • Oliver Hampe und Bilder der Knochen sowie der Rekonstruktion des von ihm identifizierten Plesiosauriers.
    foto: berliner museum für naturkunde/götz

    Oliver Hampe und Bilder der Knochen sowie der Rekonstruktion des von ihm identifizierten Plesiosauriers.

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