Samtiges Schwarz: Wie sich die Gabunviper tarnt

25. Mai 2013, 17:58
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Mikrostrukturen machen die schwarzen Flächen ihres Tarnkleids zu lichtschluckenden Oberflächen

Bonn - Eine beliebte Phrase in Naturdokumentationen ist die von der "perfekten Tarnung" eines Tiers - ausgesprochen in der Regel synchron zu Bildern, die das betreffende Tier gestochen scharf zeigen. Perfekt ist auch die Tarnung der Westafrikanischen Gabunviper nicht (siehe das Bild links), aber doch ziemlich gut. Deutsche Forscher haben nun Details zur farblichen Tarnung der Schlange herausgefunden, wie die Universität Bonn berichtet.

Lauerjäger

Gabunvipern (Bitis rhinoceros) warten im schattigen Laub, bis ihnen ein Beutetier nahe genug kommt. Dann beißen sie blitzschnell zu und injizieren ihr Gift. Dabei hilft ihnen, dass sie sich kaum vom strukturreichen Waldboden abheben. Ihre regelmäßige weiß-braun-schwarze Musterung macht sie nahezu unsichtbar. Das liegt auch daran, dass die schwarzgefärbten Stellen das Licht geradezu verschlucken: Sie glänzen nicht wie bei vielen anderen dunklen Schlangen, sondern erscheinen matt wie tiefschwarzer Samt. Dieser Effekt ist unabhängig von der Blickrichtung.

Für die erfolgreiche Tarnung sind gerade diese ultraschwarzen Partien enorm wichtig: Ein Objekt mit konstanten Reflexionseigenschaften würde zwangsläufig auffallen – unabhängig von seiner Musterung. Die mattschwarze Zeichnung löst dagegen die Körperumrisse der bis zu 1,8 Meter langen Schlange weitestgehend auf. Die Ursache dieses "Samt-Effekts" machten Forscher der Universitäten Kiel und Bonn erst bei zwanzigtausendfacher Vergrößerung aus: "Die schwarzen Schuppen tragen einen Rasen aus blattartigen Erhebungen", erklärt die Hauptautorin der Studie, Marlene Spinner. "Diese Blätter wiederum sind mit zahlreichen kleinen Rippen überzogen." Unter dem Elektronenmikroskop ähnelt das Ganze einem komplizierten Fingerabdruck.

Natürliche Mikrostrukturen

Für die elektronenmikroskopischen Aufnahmen hatte die Forscherin die Schlangenhaut mit einer extrem dünnen Goldschicht bedampft. Die hellen Schuppen bekamen dadurch einen metallischen Glanz. Die schwarzen blieben aber samtig. Das zeigt, dass der Effekt nicht auf auf das Farbpigment in den Schuppen zurückzuführen ist.

Natürliche lichtschluckende Oberflächen sind auch für technische Anwendungen interessant, etwa für optische Instrumente oder als Auskleidung von Sonnenkollektoren. Die besten heute verfügbaren Materialien reflektieren noch deutlich weniger Licht als die ultraschwarzen Schuppen der Gabunviper. "Möglicherweise lassen sich diese Werkstoffe aber noch weiter optimieren, wenn man Strukturprinzipien von der Schlange übernimmt", sagt Spinner. (red, derStandard.at, 25. 5. 2013)

  • Suchbild mit Schlange: Die Gabunviper versteht es, ihre Körperumrisse weitestgehend aufzulösen.
    foto: guido westhoff/tierpark hagenbeck hamburg

    Suchbild mit Schlange: Die Gabunviper versteht es, ihre Körperumrisse weitestgehend aufzulösen.

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