Rekordsaison abgehakt, Blickrichtung Wembley

19. Mai 2013, 14:53
119 Postings

Bewegender Bundesliga-Abschied von Trainer Heynckes - Dortmund sorgt sich vor Finale in London um Abwehrchef Hummels

Mönchengladbach - 91 von möglichen 102 Punkten, eine Tordifferenz von plus 80, 25 Zähler Vorsprung auf den Tabellenzweiten Borussia Dortmund? Spätestens ab sofort alles egal. Nach einer Saison der Rekorde in der deutschen Bundesliga zählt für Bayern München nur noch das Champions-League-Finale gegen den großen Rivalen aus Dortmund am kommenden Samstag.

Drei Tore in den ersten zehn Minuten hatten die unkonzentrierten Münchner beim 4:3 (2:3)-Erfolg im letzten Match bei Borussia Mönchengladbach kassiert, das erste durch Martin Stranzl (4.). Auch das war ein Rekord in der Liga-Geschichte der Münchner.

Jupp Heynckes nahm die Nachlässigkeiten in der Anfangsphase aber relativ gelassen. "Ich habe eine gewisse Nachsicht mit meiner Mannschaft. Alles kreist um dieses Endspiel. Deswegen war es wichtig, hier eine gute Leistung zu bringen und zu gewinnen, um im Rhythmus zu bleiben und auch das Selbstvertrauen aufrecht zu erhalten." Er habe in der Pause aber doch noch einmal etwas deutlicher werden müssen, meinte der scheidende Trainer.

"Zu allem in der Lage"

Vor allem dank des überragenden Franck Ribery gelang den Bayern noch die Wende. "Wir haben auch für den Trainer gewonnen", sagte der Franzose. Heynckes: "Ich habe gespürt, dass meine Spieler für mich spielen. Sie wollten mir unbedingt dieses Geschenk machen." Auch diese mentale Stärke ist es, die seine Mannschaft auszeichnet: sie kann Rückschläge verarbeiten.

"Das ist die Botschaft, dass wir zu allem in der Lage sind", sagte Heynckes nach der erfolgreichen und beeindruckenden Aufholjagd im Borussia-Park durch die Treffer von Javi Martinez (7.), Ribery (18. und 53.) und Arjen Robben (59.).

Tränen zum Abschied

Für den 68-Jährigen schloss sich am Samstag ein Kreis. Nach 1.011 Bundesligaspielen als Profi und Trainer endete in seiner Geburtsstadt eine Ära. Als er sich in der Pressekonferenz "bei den Borussen-Fans und -Zuschauern für den wunderbaren Abschied" bedankte und feststellte, dass die Stadt am Niederrhein für ihn die wirkliche Heimat ist, brach der sonst so gefasste Heynckes in Tränen aus: "Hier im Borussia-Park - das war schon ein bewegender Moment für mich. Wenn es der Bökelberg gewesen wäre, wäre ich sicher noch emotionaler geworden."

Eine große Feier gab es bereits am Freitagabend. Heynckes traf sich mit der Gladbacher Pokalsiegermannschaft von 1973. "Das war wunderbar. Ich hatte einige Spieler 40 Jahre nicht gesehen", sagte Heynckes, der sich dafür entschuldigte, dass er sein Team einen Tag vor dem Spiel alleine ließ: "Normalerweise mache ich so etwas nicht."

Vor dem Anpfiff gab es Geschenke von der Gladbacher Vereinsführung, die Fans verabschiedeten sich von der Borussia-Legende (unter anderem vier Meistertitel, Rekordschütze mit 195 Bundesligatoren) mit einem Spruchband: "Ein echtes Fohlen dreht seine letzte Runde - Mach's gut, Jupp!".

Wie es mit Heynckes nach dem DFB-Cup-Finale am 1. Juni weitergeht, blieb weiter offen. Nur eines ist klar - Funktionär wird er nicht. "Für mich persönlich kommt so etwas nicht infrage." Stattdessen will er seinem Nachfolger Josep Guardiola den Dreifach-Triumph vererben.

Allerdings wurde die Stimmung im Lager der Bayern durch die erneute Verletzung von Nationalspieler Holger Badstuber getrübt. Der Innenverteidiger erlitt einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Der 24-Jährige hatte erst Ende April das Lauftraining wieder aufgenommen, nachdem er sich im vergangenen Dezember dieselbe Verletzung schon einmal zugezogen hatte.

Klopp: "Schäfchen zählen"

Sorgen hat auch Endspielgegner Dortmund. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen die nun in der Relegation spielenden Hoffenheimer droht der Ausfall von Mats Hummels. Mit angeschwollenem Knöchel humpelte der Abwehrchef wortlos aus dem Stadion. Das Pech des Leistungsträgers schlug auch dem Trainer aufs Gemüt - deutlich heftiger jedenfalls als die Schlappe gegen Hoffenheim. "Unser größtes Problem heute ist die Verletzung von Mats Hummels", gestand Jürgen Klopp, "bis zum Champions-League-Finale sind es nur sieben Tage - das wird richtig eng." Die Bänder dürften jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Klops Aufregung über die beiden späten Elfertreffer von Sejad Salihovic und den wegen einer Abseitsstellung von Robert Lewandowski verweigerten Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit hatte sich schnell gelegt. Schon auf der Heimfahrt begann für ihn die Vorbereitung auf das größte Spektakel seiner bisherigen Trainerkarriere. "Wir werden unsere Schäfchen zählen, in den nächsten Tagen trainieren und am Samstag in London unser Champions-League-Gesicht zeigen." (red/sid/APA - 19.5. 2013)

Die Münchner Rekorde in der 50. Bundesliga-Saison:

Frühester Titelgewinn: 28. Runde; Frühester Titelgewinn (kalendarisch): 6. April; Frühester Herbstmeister: 14. Runde; Meiste Saisonsiege: 29; Meiste Auswärtssiege: 15; Meiste Siege ohne Gegentor: 21; Meiste Siege zum Start: 8; Meiste Siege in Rückrunde: 16; Meiste Siege zum Rückrundenstart: 14; Längste Siegesserie in einer Saison: 14 Spiele; Längste Auswärtssiegesserie: 9 Spiele; Meiste Punkte: 91; Meiste Auswärtspunkte: 47; Meiste Punkte in Rückrunde: 49; Größter Vorsprung: 25 Punkte; Beste Tordifferenz: +80; Beste Tordifferenz in Hinrunde: +37; Wenigste Gegentore: 18; Wenigste Auswärtsgegentore: 7; Wenigste Auswärtsgegentore in Hinrunde: 1

Eingestellte Rekorde: Wenigste Niederlagen: 1 (wie Bayern 1986/87); Wenigste Auswärtsniederlagen: 0 (wie Bayern 1986/87); Jedes Spiel mindestens 1 Tor: (wie 1. FC Köln 1963/64); In allen 34 Runden Tabellenführer (wie Bayern zuvor viermal); Wenigste Gegentore in Hinrunde: 7 (wie VfB Stuttgart 2003/04).

  • Jupp Heynckes' emotionaler Abschied von der Bundesliga

Share if you care.