Burgenlandroma: Zwischen Pest und Gedröhne

18. Mai 2013, 16:31
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Die Bruji haben mit ihrem Gedröhne einst den burgenlandkroatischen Kammerton A verändert. Die Burgenlandroma leisten als jüngste Volksgruppe Aufbauarbeit an ihrer beinahe vernichteten Kultur

Veliki Boristof - Josko Vlasich ist ein etwas älterer Herr, aber er kann sich immer noch freuen wie ein Kind. Zum Beispiel auf sein pfingstsamstägiges Konzert drüben in Filez (Nikitsch). Dort "sind wir zum ersten Mal wieder seit 20 Jahren". Mag sein, der SP-Parteimanager aus Mjenovo (Kr. Minihof) und der aktuell etwas geschurigelte Umweltminister aus Susevo (Nebersdorf) schauen auch auf einen Sprung vorbei.

Josko Vlasich, einst Landtagsabgeordneter der Grünen, ist seit 2010 wieder Frontmann der Bruji, die vor mehr als 30 Jahren den "Krowodnrock" erfunden haben und wenig später in Veliki Boristof (Großwarasdorf) ein Heimstadion gefunden haben im Haus der Kulturgenossenschaft - kroatisch: KUlturna zadruGA - Kuga.

Pest und Gedröhne

Kuga heißt Pest. Und Bruji Gedröhne, und beides zusammen war die Ansage der damals Jungen, dass der Spaß mit der immergleichen Tamburica demnächst zugunsten der Stromgitarre vorbei sein werde.

War er natürlich nicht. Die Burgenlandkroaten sind schließlich Österreicher, weshalb ihnen der Zweischritt des Fortschritts nicht fremd ist: Da muss was g'schehn! - Da kannst nix machen! Das Herz des alten Volksgruppenrockers geht mittlerweile schon auf, wenn ausdrücklich Bruji von einer Jugendgruppe ins Südburgenland gerufen wird. Das mache einem deutlich, "dass doch was hängengeblieben ist".

Schmerz des Rückblicks Das ist es wohl auch in Erba, also Oberwart, wo nach dem Mordanschlag von 1995 die Roma nach und nach "Vom Rand in die Mitte" gerückt sind, wie der Obmann des Kulturvereins der Österreichischen Roma, Rudolf Sarközi, das Buch zur heurigen 20-Jahr-Feier der Volksgruppenanerkennung betitelte.

Sprachpflege ganz oben

So wie bei den Kroaten, steht bei den Roma die Sprachpflege ganz oben. Darum kümmert sich zum Beispiel Emmerich Gärtner. Aber anders als die Kroaten, müssen die Roma sich auch dem Schmerz des Rückblicks stellen. Das tut etwa der nachdenkliche Schriftsteller Stefan Horvath, dessen jüngstes Buch "Atsinganos" die Geschichte der drei Romasiedlungen am Rande von Erba erzählt. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 18./19./20.5.2013)

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