Salafistentreffen: Außenamt warnt vor Reisen nach Kairouan bis Montag

18. Mai 2013, 15:24
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Warnung auch für Tunis und alle Saharagebiete - Gewaltsame Zusammenstöße befürchtet

Tunis/Wien - Trotz eines Verbots seitens der tunesischen Regierung wollen radikalislamische Salafisten am Sonntag eine Großveranstaltung in Kairouan abhalten. Das österreichische Außenministerium warnt deshalb vor Reisen in die zentraltunesische Stadt bis Montag. Eine partielle Reisewarnung gilt zudem für alle Saharagebiete. Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko bestehe im Zentrum von Tunis und anderen größeren Städten im Falle von Demonstrationen und Massenansammlungen.

Die von der als gemäßigt geltendenden islamistischen Ennahda-Partei geführte Regierung in Tunis hat diese Woche erstmals das seit der Revolution 2011 etablierte Jahrestreffen der radikalislamischen Ansar al-Sharia (Unterstützer der Scharia) verboten, das am Sonntag in Kairouan stattfinden sollte. Das tunesische Innenministerium begründet das Verbot damit, dass Ansar al-Sharia zu Gewalt gegen den Staat aufgerufen habe und eine "Gefahr für die öffentliche Sicherheit" darstelle, wie "Spiegel Online" am Samstag berichtete.

"Obama, Obama, wir sind alle Osama"

Im vergangenen Jahr nahm der von den Behörden mit einem Haftbefehl gesuchte radikale Prediger Abu Ayad alias Saif Allah Ben Hassin als einer der "Stars" an dem Treffen teil. Über 5.000 Salafisten versammelten sich im Mai 2012 unter dem schwarzen Banner von Al-Kaida und riefen "Obama, Obama, wir sind alle Osama" in Anspielung auf den von den USA getöteten Bin Laden. Der Sonntag könnte nun zur Machtprobe zwischen den Radikalen und der Regierung werden. Denn Ansar al-Sharia will trotz des Verbotes an dem Treffen festhalten.

"Wir fragen die Regierung nicht um Erlaubnis, wenn wir das Wort Gottes predigen wollen, und wir warnen vor jedem Polizeieinsatz, der unsere Konferenz verhindern soll", sagte Saifeddine Rais, ein Sprecher der Gruppe, am Donnerstag. Wenn es zu Gewalt käme, sei allein der Staat daran schuld.

Die erzkonservativen Salafisten haben seit der Revolution stark an Einfluss gewonnen, besonders ihr gewaltbereiter Teil, die Jihadisten. Ihnen wird der Mord an dem Oppositionspolitiker Chokri Belaid zugeschrieben, der Massenproteste zur Folge hatte. Mancherorts haben sich salafistische Milizen formiert. Zunehmend brutal werden die Zusammenstöße zwischen Polizisten und Radikalen ausgetragen.

Wirtschaftskrise fördert Interessen der Radikalen

Die immer dramatischere Wirtschaftskrise und das Sicherheitsvakuum nach dem Machtwechsel haben den Radikalen geholfen, ihren Einfluss auszuweiten und zu festigen. Im Zuge des Libyen- und des Mali-Krieges sind weitere Jihadisten und Waffen in das Land gekommen.

Gefahr droht Tunesien auch aus Syrien. Dort gehören die tunesischen Kämpfer zu den größten Ausländergruppen, wie "Spiegel Online" schreibt. Viele von ihnen dürften mit Kampferfahrung und neuen Kontakten wieder zurückkehren. So wie auch Abu Ayad, der einst in Afghanistan mit Unterstützung von Osama bin Laden sein Handwerk perfektionierte. (APA, 18.5.2013)

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