Die Kriege von morgen werden mit 3D-Druckern geführt

18. Mai 2013, 13:05
60 Postings

Technologie könnte Einheiten im Feldeinsatz unabhängiger von traditionellen Versorgungsketten machen

In der Nähe einer von US-Soldaten bemannten Basis wird eine Drohne von Rebellen abgeschossen. Binnen Stunden entsteht in einem kleinen Labor, das erst wenige Tage zuvor von einem Helikopter in der Basis abgesetzt wurde, ein einsatzbereites Ersatzgerät. Gleichzeitig fischt eine vor der nahen Küste liegende, schwimmende Fabrik Ressourcen aus dem Ozean, um damit Essen und Organtransplantate herzustellen.

Zukunftsmusik mit realistischen Untertönen

Ein Szenario wie dieses ist heute noch pures Sci-Fi. Es stammt aus der Feder von Kommandant Michael Llenza, niedergeschrieben im "Armed Forces Journal". Seiner Ansicht nach könnten 3D-Drucker künftig auf die Art und Weise, wie das Militär Versorgungsketten organisiert oder Einsätze zu Wasser plant, drastisch verändern. Dass dies keine völlig absurde Idee ist, sieht man am Beispiel China. Teile des nächsten Militärfliegers, J-15, sollen dort bereits aus dem 3D-Drucker kommen.

Munition, Schiffe, Gebäudeteile

Auch andere Ressourcen könnten künftig aus dem Drucker kommen – etwa Munition. Die Verschalungen sind relativ leicht herstellbar, es fehlt im Grunde nur noch ein Weg, das Schießpulver in den Prozess zu integrieren.

Unterkünfte für Soldaten und andere Gebäudestrukturen könnten eines Tages ebenfalls von leistungsfähigen Maschinen schnell vom digitalen Modell zum realen Objekt umgesetzt werden. Mit großen Investments in diese Technologie könnten Einheiten im Feldeinsatz deutlich unabhängiger von traditionellen Versorgungsketten werden.

Die Visionen gehen noch viel weiter. Heutige Schiffswerften könnten nicht nur Ersatzteile auf diese Art erzeugen, sondern einmal in gigantische 3D-Drucker umfunktioniert werden und ihre Kähne mit nur noch geringem Anteil an menschlicher Handarbeit zusammenbauen.

Gefahren

Doch Llenza warnt gegenüber Wired auch vor den potenziellen Gefahren solcher Entwicklungen. Dabei sorgt er sich weniger um die Veröffentlichung von Bauplänen für Handfeuerwaffen, wie etwa beim Liberator 3D geschehen, sondern darum, dass tatsächlich einmal für das Militär bestimmtes Material in Umlauf gelangen und nachgedruckt werden könnte.

Um militärisches Equipment und Maschinen nachzubauen, müssen diese heute gestohlen, zerlegt und genau untersucht werden. Mit dem Aufstieg des 3D-Drucks könnte es in Zukunft genügen, das jeweilige Gerät in seiner digitalen Form zu besorgen, um es on-the-fly nachdrucken zu können. Noch weiter Gedacht: Spione könnten Handheld-Tomographen verwenden, um durch Containerwände hindurch 3D-Scans von brisanter Fracht anzufertigen. Eine weitere Variante wäre das Hacken der Drucker selbst.

Frisches Geld für 3D-Druck-Forschung

Bevor die derzeit noch hypothetischen Chancen und Risiken schlagend werden, müssen aber auch gesetzliche Hürden genommen werden. Während China schon druckt, gibt es in den USA noch keinen Zertifizierungsvorgang für tragende Flugzeugteile aus dem Drucker, Teile für weniger kritische Bereiche werden aber schon auf diesem Wege hergestellt.

Es wurden auch bereits 3D-Labors in Afghanistan errichtet. Die Obama-Regierung investiert in die Technologie. Drei ausgewählte Forschungseinrichtungen sollen insgesamt 200 Millionen Dollar erhalten, um sich schwerpunktmäßig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zwei der Projekte werden direkt vom Pentagon begleitet. (red, derStandard.at, 18.05.2013)

Link

Wired

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Drohnen, Schiffe, Gebäudeteile: 3D-Drucker könnten Militäreinheiten im Feldeinsatz unabhängiger machen.

Share if you care.