Tango und Études im Parlament

17. Mai 2013, 23:15
2 Postings

Christoph Marthalers Festwochen-Uraufführung "Letzte Tage. Ein Vorabend"

Wien – Christoph Marthalers Festwochen-Uraufführung "Letzte Tage. Ein Vorabend" wurde am Freitagabend im Historischen Sitzungssaal des Parlaments vom Publikum heftig akklamiert. Der Schweizer Regisseur verknüpfte darin die Geschichte von knapp einem Dutzend jüdischer Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die vom Nazi-Regime verfolgt und (in den meisten Fällen) getötet wurden, mit Rassismus und Xenophobie der Gegenwart. Von Standard-Korrespondent Gregor Mayer stammte ein Teil der Texte über Ungarn.

Nun ist das Theater  Marthalers viel zu klug und sensibel für platte politische Botschaften, weshalb die schwächsten Teile des gewiss nachhallenden Abends auch diejenigen sind, in denen dummer Populismus in Politikerreden oder in Selbstgesprächen von Bürgerinnen ausgewalzt wird.

Groß wird die Inszenierung dort, wo die Musik die Körper erfasst und in der typischen Marthaler-Sprache durch sie hindurch spricht. Das geschieht nicht allzu oft; der Abend wird im Verlauf von knapp zweieinhalb Stunden zunehmend zum Konzert. Die Kompositionen der verfolgten Künstler aus Tschechien, Polen, Ungarn und Österreich werden somit vorwiegend zum Denkmal. (afze,  DER STANDARD, 18./19./20.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der  historische Sitzungssaal des Wiener Parlaments bei einer Probe für Marthalers "Letzte Tage".

Share if you care.