Das Finale! Das erwartet Euch heute Abend

Blog18. Mai 2013, 00:02
39 Postings

Wird es das erwartete Duell zwischen Norwegen und Dänemark? Gibt es einen lachenden Dritten? Und wohin wandern die Punkte vom Balkan?

Der Eurovision Song Contest 2013 in Malmö ist voller Überraschungen! Dass sich alle Beiträge aus dem ehemaligen Jugoslawien bereits im Semifinale verabschiedet haben, ist die große Sensation und setzt eine völlig unberechenbare Dynamik frei. Denn die Fragen aller Fragen für das diesjährige Finale ist: Wem geben die nun die Punkte?

Die Buchmacher sehen derzeit immer noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Dänemark und Norwegen. Aber die sahen San Marino auf dem 10. Platz, was Donnerstag aber gründlich misslang. Dass Norwegen oder Dänemark gewinnen wird, klingt auch recht plausibel. Doch stellen sich in Malmö immer mehr die Frage, ob die Zielgruppen dieser beiden Beiträge nicht doch sehr ähnlich sind und sie sich gegenseitig kannibalisieren könnten.

Durchaus möglich, dass der Balkan, der sich nahezu ganz aus dem Bewerb verabschieden musste, sich Richtung Griechenland und dem "besten" Trash seit Jahren, Rumänien, orientiert. Belarus könnte da auch noch ein Wort mitzureden haben. Die Niederlande, Schweden, die Ukraine, Italien und für manche auch noch Deutschland gelten immer noch zum erweiterten Favoritenkreis. Georgien hat sich daraus für viele schon wieder verabschiedet. Aber wer weiß?

Heute kommen zu den qualifizierten Beiträgen die Big 5 hinzu: Frankreich, Italien, Deutschland, Spanien und Großbritannien. Und natürlich Vorjahressieger Schweden. Es wird also spannend. Und nicht wenige hoffen, dass es so spannend wird, dass wir bei den letzten Punkten des Abends immer noch nicht wissen, wer gewinnen wird.

Public Viewing in Wien

Wer heute Abend übrigens nicht in Malmö ist, aber auch keine Lust hat, alleine zu schauen, hier ein heißer Tipp: Der Verein lesbisch-schwuler Migranten und Migrantinnen - MiGay - lädt ab 20 uhr ins ega, Windmühlgasse 26, 1060 Wien. Stargast: Rona Nishliu, die albanische Überraschung 2012. Ja, die mit der Wahnsinnsfrisur und dem qaaaaaaaj-Schrei! Und natürlich Live-Übertragung der Show.

Und das erwartet Euch heute Abend:

(Anmerkung: Ich habe die Probe leider nicht in den Originalkostümen gesehen.)

1. Frankreich: Amandine Bourgeois - L'enfer et moi

Dieses Jahr sind besonders viele Beiträge in ihrer Landessprache gesungen. Aus Frankreich überrascht das aber nicht wirklich. Amandine eröffnet den Song Contest mit einem stetig steigerndem Midtempo-Rocksong. Mir gefällt's ganz gut, aber keine Favoritin.

Tipp: leider eher hinten

2.  Litauen: Andrius Pojavis - Something

Wie es dieses Lied ins Finale schaffen konnte, weiß man irgendwie nicht mehr so genau. Der Sänger macht den Eindruck, dass es ihm ähnlich geht. So ein bisschen Coldplay für Arme.

Tipp: landet weit hinten

3.  Moldau: Aliona Moon - O mie

Aliona kam eher als Außenseiterin nach Malmö, genießt aber mittlerweile große Bewunderung hier. Eine der besseren Powerballaden in der musikalisch sich so wunderbar anhörenden rumänischen Sprache. Das brennende Kleid samt Himmelfahrt wirkt recht stimmig.

Tipp: Mittelfeld

4.  Finnland: Krista Siegfrids - Marry Me

Die Spaßfraktion aus Finnland gibt Partymusik pur. Musikalisch liefert der Song eher wenig Aufregendes, dafür wird das Hochzeitslied samt Lesbenkuss wohl beim Publikum gut ankommen. Bei den Jurys aber wohl nicht.

Tipp: Hinteres Mittelfeld

5.  Spanien: ESDM - Contigo hasta el final

Die in Spanien recht bekannte Band El Sueño de Morfeo hat sich für den ESC namentlich abgekürzt und liefern ein eh nettes Lied ab, das man aber nach dem Hören auch sofort wieder vergessen hat.

Tipp: weit hinten mit guten Chancen auf den letzten Platz

6.  Belgien: Roberto Bellarosa - Love Kills

Nach dem Litauer die nächste Überraschung aus dem ersten Semifinale, denn nicht einmal die belgischen Journalisten rechneten mit einem Finaleinzug. Das beflügelt den Teenager, und er hat seinen Spaß, auch wenn seine Stimme manchmal ein bisschen nach Erkältung klingt.

Tipp: weiter hinten

7.  Estland: Birgit - Et uus saaks alguse

Hoffentlich setzen die Wehen der hochschwangeren Sängerin nicht ausgerechnet Samstag Abend ein! Das anfängliche Schwarzweiß wollen die Esten so, euer TV-Gerät spinnt nicht. Eine Ballade halt. Manche werden es mögen, andere werden den Beitrag für eine Klopause nützen.

Tipp: eher weiter hinten

8.  Weißrussland: Alyona Lanskaya - Solayoh

Ethno-Dance ist normalerweise ein beliebtes Genre beim ESC. Dieses Jahr hat Belarus darauf ein Monopol, was wohl für einige Punkte aus dem Osten und Südosten sorgen wird. Party pur aus der Diktatur.

Tipp: Kein Spitzenplatz, aber weiter vorne

9.  Malta: Gianluca - Tomorrow

Das umwerfendste Lächeln der ESC-Geschichte! Das Dauergrinsen ist echt und authentisch. Kleines, feines und unaufgeregtes Liedchen. Bereitet euch dafür einfach einen Caipirinha vor und stellt euch vor, ihr seid am maltesischen Strand.

Tipp: Hinteres Mittelfeld

10.  Russland: Dina Garipova - What If

Ein ganz sittliches und braves Lied aus Russland. Gab's lange nicht mehr! Die Ballade besteht eigentlich aus einer Melodie, die sich kontunierlich wiederholt und bis zum Schluss steigert, samt unausweichlicher Modulation. Clever? Vermutlich.

Tipp: Top 10

11. Deutschland: Cascada - Glorious

Deutschland schickt Disco-Pop und will an den Erfolg Loreens anknüpfen. Cascada hatte ja schon viele internationale Erfolge. In Malmö entpuppte sie sich als ungemein sympathisch. Das wird vielen gefallen. Auch wenn es nicht gewinnen soll, rechne ich damit, dass Glorious den größten Charterfolg aller Beiträge einfahren wird. Gina G. wurde 1996 ja auch nur Achte, landete aber einen Nummer 1-Hit.

Tipp: weit vorne

12. Armenien: Dorians - Lonely Planet

Nach dem zweiten Semifinale traf ich Armenier, die selbst nicht begreifen konnten, wie ihr Beitrag es ins Finale geschafft hat. Da aber einige User-Kommentare auch diesen Beitrag mochten, enthalte ich mich lieber. Ich begreife das anscheinend nicht. Tut hier übrigens niemand.

Tipp: weit hinten

13. Niederlande: Anouk - Birds

Nehmt euch ein Vorbild an den Niederlanden, Österreich! Seit 2004 warteten sie auf eine Finaleinzug und gaben nie auf! Musikalisch gesehen das Meisterwerk des Song Contests 2013. Klugerweise veröffentlichte Anouk gestern ihr – übrigens richtig gutes – neues Album. Eine Frau mit der Stimme und dem Charisma Anouks braucht nicht viel Show. Umwerfend! Ich trage Samstag Abend eine orange Jacke. Aber es handelt sich ja auch um mein Geburtsland.

Tipp: sehr weit vorne (hoffentlich)

14. Rumänien: Cezar - It's My Life

Kam als Lachnummer nach Malmö - und mittlerweile fangen hier alle an, sie zu lieben. Der ESC braucht einfach Trash Acts wie diesen. Was täten wir ohne sie? Countertenor Cezar tritt als Dracula auf und rockt die Bühne. Wahnsinn einfach.

Tipp: Mittelfeld

15.  Vereinigtes Königreich: Bonnie Tyler - Believe In Me

Der größte Star beim diesjährigen ESC. Voriges Jahr versucht es die BBC mit einem Star aus den 70ern, heuer sind die 8-er dran. Aus Deutschland und Österreich vermute ich mal einige Punkte. Engelbert scheiterte 2012. Ich glaube aber, dass das hier besser funktionieren wird. Aber unberechenbar bleibt dieser Beitrag allemal. Rufen 40- bis 50-Jährige für sowas an?

Tipp: vorderes Mittelfeld

16. Schweden: Robin Stjernberg - You

Das Gastgeberland hat heuer einen Vorteil und einen Nachteil. Vorteil: Ein perfekt komponiertes Poplied. Nachteil: Die Stimme Robins kann mitunter ganz schön wackeln, da der Song auch tatsächlich schwer zu singen ist. Eine Titelverteidigung ist jedenfalls nicht ganz auszuschließen, wenn auch eher unwahrscheinlich.

Tipp: Top 10

17.  Ungarn: ByeAlex - Kedvesem (Zoohacker Remix)

Donnerstag habe ich mich sehr gefreut, dass diese kleine Eurovisionperle es ins Finale geschafft hat. Unaufgeregt angenehme Nummer, die in ihrer Simplizität zu überzeugen weiß. Unmöglich vorherzusagen, wie das ankommen wird.

Tipp: Zwischen Top 5 und letzter Platz alles möglich

18. Dänemark: Emmelie de Forest - Only Teardrops

Topfavoritin. Keine Frage. Ein perfekt konstruiertes Lied, eine perfekte Sängerin, eine perfekte Show. Wo ich auch schon das Problem angesprochen hätte: Es wirkt wie am Reißbrett entworfen. "Singing by numbers" nannte es ein englischer Journalist. Und rufen europaweit Menschen für ein Lied an, das alle TV-Kommentatoren schon als sichere Siegerin präsentieren werden?

Tipp: Top 5, natürlich Anwärterin auf den Sieg

19.  Island: Eyþór Ingi Gunnlaugsson - Ég á líf

In den Wikinger kann mann und frau sich schon verlieben. Er meinte, es gäbe keine größere Ehre für ihn, als Grund dafür zu sein, dass Europa 2014 nach Island kommen würde. Er liebt sein Land und seine Natur (was ich sehr nachvollziehen kann) - und zeigt das auch in seiner Show. Mit Abstand die beste Männerstimme des Abends.

Tipp: Top 10

20. Aserbaidschan: Farid Mammadov - Hold Me

Ein mittelmäßiges Lied perfekt in Szene setzen - das kann man bei diesem Beitrag lernen! Er wer hätte die Inszenierung einer Dreiecksbeziehung samt Homoerotik aus Aserbaidschan erwartet? Und dann sieht Farid ja auch noch sehr gut aus! Es ist nicht der beste Song des Abends, aber eine sehr runde Sache.

Tipp: weit vorne

21. Griechenland: Koza Mostra feat. Agathonas Iakovidis - Alcohol Is Free

Nach den Niederlanden und Ungarn mein dritter persönlicher Favorit des Abends. Die Kombination zwischen griechischer Folklore und Ska-Punk ist einfach unwiderstehlich, macht Spaß und funktioniert in ganz Europa. Und wie oben geschrieben: Die Punkte aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens sind frei geworden. Lachender Dritter im Duell Dänemark versus Norwegen?

Tipp: weit vorne

22. Ukraine: Zlata Ognevich - Gravity

Apropos lachender Dritter: Das könnte durchaus auch die Ukraine sein. Das Lied funktioniert einfach. Nette Rhythmen, schön aufgebaut, sehr gute Sängerin, eingängige Komposition. Und der Riese, der sie anfangs auf die Bühne trägt.

Tipp: Top 10

23.  Italien: Marco Mengoni - L'essenziale

Seit den Contests in den 70ern hab es keine so schönen Koteletten mehr! Und wenn Eros Ramazotti einen Nachfolger bräuchte: Da wäre er. Marco Mengoni gewann genau mit diesem Lied das traditionsreiche Festival di Sanremo – immerhin Vorbild des ESC und schon fünf Jahre zuvor ins Leben gerufen. Italopop as it‘s best. Doch Italopop hat in Europa nicht mehr den Stellenwert, den er noch in den 80-ern innehatte. Oder?

Tipp: Schwer einzuschätzen. Alles möglich.

24. Norwegen: Margaret Berger - I Feed You My Love

Für mich bleibt die Norwegerin Topfavoritin auf den Sieg. Auch wenn alle auf Dänemark tippen. Es ist ein wesentlich zeitgemäßeres Lied als das dänische. Treibende stampfende Rhythmen, eine starke Frau auf der Bühne, hitparadentauglich, kann auch Björk-Fans gefallen. Perfekt.

Tipp: Top 3, vielleicht sogar Siegerin des Abends

25. Georgien: Sopho Gelovani & Nodiko Tatishvili - Waterfall

Sie galten zum Favoritenkreis, bevor die Proben begonnen hatten. Aus diesem haben sie sich langsam wieder verabschiedet. Solche Balladen hat man vermutlich zu oft gehört. Sollte es wieder erwarten doch gewinnen, könnte der schwedische Komponist Thomas G:Son die erste Titelverteidigung schaffen. Er schrieb auch Euphoria.

Tipp: Top 10

26. Irland: Ryan Dolan - Only Love Survives

Ein würdiger Abschluss des Abends. Die Idee, dass Dramaturgie und nicht Losglück die Reihenfolge der Songs bestimmt, hat sich bezahlt gemacht. Und so darf am Ende die Euro-Party noch einmal so richtig abgehen. Und die Oben-ohne-Körper der trommelnden Tänzer hat doch was! Nicht sitzen bleiben! Einfach ein bisschen shaken. Denn der nächste Contest kommt erst wieder in einem Jahr.

Tipp: Mittelfeld

Zum Schluss habe ich einen Wunsch: Möge man bis zur Durchsage der letzten Punkte ein Kopf-an-Kopf-Rennen haben und nicht wissen, wer gewinnt.

Habt einen schönen Abend und eine geile Euro-Party!     (Marco Schreuder, derStandard.at, 18.5.2013)

  • So nah kamen sich zwei Männer noch nie auf einer Song Contest Bühne: Farid Mammadov tritt für Aserbaidschan an.
    foto: thomas hanses (ebu)

    So nah kamen sich zwei Männer noch nie auf einer Song Contest Bühne: Farid Mammadov tritt für Aserbaidschan an.

  • Kann Cascada neben den Charts auch Europa erobern?
    foto: sander hesterman (ebu)

    Kann Cascada neben den Charts auch Europa erobern?

  • Ein Weltstar aus Großbritannien: Bonnie Tyler.
    foto: sander hesterman (ebu)

    Ein Weltstar aus Großbritannien: Bonnie Tyler.

Share if you care.