"Wir müssen weiterhin auch ohne Internet auskommen können"

17. Mai 2013, 18:02
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Wie sich Regierungen schützen können, war am Donnerstag Thema einer Diskussionsveranstaltung im Amerika-Haus

Wien – 20 Identitätsdiebstähle und mehr als 130 Botnet-Attacken zur Fernsteuerung von PCs gibt es derzeit pro Minute im Internet zu verzeichnen. Auch Staaten und Konzerne sind vor Folgen der Cyberkriminalität nicht gefeit, wie eine Attacke auf den Ölkonzern Saudi-Aramco zeigt, bei der 30.000 Computer zerstört worden sein sollen. Wie sich Regierungen schützen können, war Thema einer Diskussionsveranstaltung im Amerika-Haus, die am Donnerstagabend von der US-Botschaft und dem Standard veranstaltet wurde.

Laut Schätzungen, erklärte Melissa Hathaway, früher Cybersecurity-Beraterin von US-Präsident Barack Obama, ging 2012 in mehreren EU-Staaten durch Cyberkriminalität so viel an Wirtschaftsleistung verloren, wie durch die Vorteile der Digitalisierung zusätzlich erwirtschaftet wurde – in den Niederlanden rund zwei Prozent des BIP. Trotz ausgefeilter Papiere zum Thema fehle es oft an der Einsicht, dass es eine koordinierte Strategie brauche, um Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

"Angriffe akzeptieren"

Diese, sagte Oberst Dieter Muhr, Experte beim Bundesheer, lasse sich allerdings nicht aufrechterhalten, wenn man sich nur noch auf das Netz verlasse. "Wir müssen uns bemühen, dass es weiter Systeme gibt, die ohne Internet auskommen können."  In Österreich seien diese noch vorhanden.

Skeptisch gab sich zur Vermeidbarkeit von Attacken der Netzwerkanalytiker Harald Katzmair: "Wir müssen akzeptieren, dass wir angegriffen werden."  Oft hätten Kriminelle Hilfe von innen. Der beste Schutz sei daher eine gemeinschaftliche Kultur in Firmen, die auch informelle und persönliche Kontakte fördere. (mesc/DER STANDARD, 18.5.2013)

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