"100 Jahre Lebenszyklus – in der Theorie"

17. Mai 2013, 17:01
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Christina Ipser vom Zentrum für Facility-Management und Sicherheit an der Donau-Uni Krems über die Optimierung der lebenszyklischen Verbräuche von Ressourcen

Christina Ipser, Forscherin am Zentrum für Facility-Management und Sicherheit an der Donau-Universität Krems, spricht über Lebenszyklusbetrachtung gestern und heute. Peter Matzanetz fragte nach.

STANDARD: Ökologie und Ökonomie waren bisher eher als Gegensätze bekannt, wenn es ums Bauen ging. Wie kann man das ändern?

Ipser: Provokativ könnte man sogar sagen, dass Ökologie und Ökonomie nur bei kurzfristiger Betrachtungsweise weit auseinanderliegen. Je größer der Betrachtungszeitraum wird, desto weiter nähern sich wirtschaftliche und ökologische Ziele einander an. In beiden Fällen geht es um die Optimierung der lebenszyklischen Verbräuche von Ressourcen wie etwa Geld, Rohstoffe oder Energie.

STANDARD: Lebenszyklusbetrachtungen sind nicht neu. Was ist heute anders?

Ipser: Die Methode der Ökobilanzierung in der Architektur kommt bereits seit den Neunzigerjahren zum Einsatz, hauptsächlich zur systematischen Analyse der Umweltauswirkungen von Materialien und Bauprodukten. Das Ziel einer guten Planung war immer schon, nicht nur die Errichtungskosten von Gebäuden in einem angemessenen Rahmen zu halten, sondern auch so zu planen, dass sich aus Nutzung und Betrieb des Gebäudes keine überhöhten Kosten ergeben. Neu ist, dass es seit wenigen Jahren nun eine standardisierte Betrachtung gibt.

STANDARD: Wie lange ist ein Lebenszyklus nach heutiger Definition?

Ipser: Die technische Lebensdauer von Immobilien ist von verschiedenen Faktoren abhängig und kann bei entsprechender Instandhaltung oft weit über hundert Jahre betragen. So weit die Theorie. Die tatsächliche Lebensdauer jedoch orientiert sich eher an der wirtschaftlichen Nutzungsdauer. Sie ist unter anderem von der Funktionalität des Gebäudes abhängig.

STANDARD: Wann rechnet sich eine Sanierung und wann ein Neubau? Wo setzt man an?

Ipser: Ob die Sanierung eines Gebäudes wirtschaftlicher ist als ein Ersatzneubau, hängt vor allem von den Möglichkeiten der technischen Nachrüstung und Grundrissgestaltung ab. Die weitaus wichtigere Rolle spielen jedoch oft Rahmenbedingungen, die nichts mit dem Gebäude selbst zu tun haben – etwa ob bereits ein geeignetes Grundstück für einen Ersatzneubau verfügbar ist oder ob die Sanierung eine Nutzungsunterbrechung erfordert oder nicht. (DER STANDARD, 18./.19./20.5.2013)

 

Christina Ipser (33) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Facility-Management und Sicherheit am Department für Bauen und Umwelt der Donau-Universität Krems. Sie forscht zu den Themen klimagerechtes und energieeffizientes Bauen sowie gebäude­integrierte erneuerbare Energieträgersysteme.

  • Christina Ipser: "Ökologie und Ökonomie liegen nur bei kurzfristiger Betrachtungsweise weit auseinander."
    foto: duk reischer

    Christina Ipser: "Ökologie und Ökonomie liegen nur bei kurzfristiger Betrachtungsweise weit auseinander."

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