Olivenöl-Kandl muss vom Wirtshaustisch

17. Mai 2013, 14:48
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Nach einer EU-Neuregelung müssen Gastronomen ab 2014 Olivenöl in nicht nachfüllbaren Flaschen anbieten

Die legendäre Regelung der Gurkenkrümmung war vielen der Papier gewordene Beweis für die Brüsseler Regulierungswut. 2008 hat die Union die viel bespöttelte Vorschrift wieder abgeschafft. Nun scheint es einen Anwärter für einen würdigen Nachfolger der verflossenen Direktive zu geben. Denn geht es nach der EU, so dürfen nach einem Bericht der Austria Presseagentur auf den Tischen von Restaurants schon bald keine Kännchen mit Olivenöl mehr stehen. Nach einer EU-Neuregelung müssen Gastronomiebetriebe ab dem 1. Jänner 2014 nicht nachfüllbare und versiegelte Flaschen anbieten, so ein Sprecher der EU-Kommission. Der Beweggrund für die Regelung ist einfach: Sie soll dem Konsumentenschutz dienen.

Im November 2008 beschlossen die EU-Staaten, die damals 20 Jahre alten Normen für Gurken und 25 andere Gemüse- und Obstsorten ersatzlos zu streichen. Berührende Worte fand der Sprecher von Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel für die denkwürdige Tat: "Das ist eine guter Tag für die krumme Gurke und die knubbelige Karotte".

Kein minderwertiges Öl

Ob nun der 1. Jänner 2014 ein guter Tag für das Olivenöl wird, bleibt abzuwarten. Mit der Reform der "Durchführungsverordnung über die Vermarktungsvorschriften für Olivenöl" solle jedenfalls sichergestellt werden, dass der Restaurantkunde kein minderwertiges Öl angedreht bekommt, sagte der Sprecher, der auch auf Hygiene-Probleme verwies.

Die Neuregelung ist Teil eines Aktionsplans der EU, um das Image von europäischem Olivenöl (nach zahlreichen Pantschereien) bei den Konsumenten zu fördern. Das Ansinnen ist verständlich: Die Europäische Union ist immerhin größter Hersteller, Konsument und Exporteur von Olivenöl weltweit. Um das Ziel zu erreichen, müssen auf Olivenölflaschen Herkunft und Art des Produkts künftig besser und lesbarer ausgezeichnet werden.

Essig bleibt frei

Laut Süddeutscher Zeitung gab es zwar im zuständigen "Einheitlichen Verwaltungsausschuss Obst und Gemüse" keine qualifizierte Mehrheit für den Kommissionsvorschlag, die Zahl der Gegner war aber zu gering, um die Entscheidung noch abzuschmettern. Nun darf die Kommission die Durchführungsverordnung laut dem Bericht ohne weitere Konsultationen ändern.

Dass nun der Konsument fürderhin vor Hygiene-Missetätern im Wirtshaus gefeit sein wird, ist allerdings nicht gewiss. Für den Rest der Menagerie – als da wären Essigkaraffen, Tabascoflaschen oder Salzstreuer – bleibt alles beim Alten, denn dafür gibt es (noch) keine Regelung. (rb, derStandard.at, 17.5.2013)

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    Dem Olivenöl-Kandl wurde von höchster Stelle das Aus beschieden.

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