Promotion - entgeltliche Einschaltung

Gaskraftwerke kippen aus dem Markt

17. Mai 2013, 12:55
posten

Die derzeitige Entwicklung bereitet den Experten Sorgen: Erneuerbare verdrängen zunehmends herkömmliche Kraftwerkseinheiten. Die Folgen können in drastischen Mängeln resultieren.

"Die Erneuerbaren sind ganz vorne, die thermischen Energien rutschen aus dem Markt. Wir haben heute einen Marktpreis von 38 Euro, vergleichbar mit dem Preis vor acht bis neun Jahren. Daher sind Gaskraftwerke nicht mehr wirtschaftlich darstellbar und werden aus dem Markt genommen", so Gerhard Christiner, Vorstandsdirektor der Austrian Power Grid AG (APG). Die Folgen bereiten ihm Sorgen. "Das hat massive Auswirkungen. Wir würden beispielsweise für drei Wochen ein Gaskraftwerk benötigen und haben keines bekommen. Wir laufen Gefahr, dass alle herkömmlichen Kraftwerkseinheiten komplett herausfallen könnten."

Andererseits sorgt die extreme Volatilität beispielsweise in der Windenergie für enorme Probleme. Christiner: "Wir erstellen jeden Tag Prognosen, nach denen die Händler dann kaufen oder verkaufen. Da werden wir auch immer besser. Aber am 24. März 2013 hatten wir eine Fehlprognose von 9000 MW aufgrund von Schwankungen bei Wind und Fotovoltaik in Deutschland. Das Preisniveau rutschte ab und die thermischen Kraftwerke gingen vom Netz. Sogar Frankreich hat da Strom importiert."

Dabei seien die Probleme gar nicht von Deutschland oder Österreich, sondern von den Netzen in Polen und Tschechien gekommen. Wir haben dann 1000 MW Kraftwerkskapazität hochgefahren, um dem Druck aus Deutschland gegenzuhalten", schilderte Christiner. Dieser Tag verursachte allein für die deutschen Verbraucher Belastungen von 700.000 Euro an Redispatch-Kosten.

Grenzen der Verzteilnetze

Auch die Verteilnetzbetreiber stehen vor dem Hintergrund des boomenden Ausbaus der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie europaweit vor großen Herausforderungen, erklärte Franz Strempfl, Geschäftsführer der Stromnetz Steiermark GmbH.

"In den österreichischen Verteilnetzen steigen die Neuanschlüsse von Fotovoltaikanlagen, Windparks und Kleinwasserkraftanlagen nach wie vor ungebremst an. Allein aus der im Ökostromgesetz festgeschriebenen Erhöhung der Fotovoltaikleistung in Höhe von 1200 MW bis 2020 ist ein Finanzierungsbedarf von mehr als 300 Mio. Euro abzuleiten. Im Bereich Fotovoltaik werden wir in ein paar Jahren mehr als zehnmal so viel Produktion haben, als es heute der Fall ist, weil immer mehr Förderungen ausgenützt und in Fotovoltaikanlagen investiert wird", illustrierte Strempfl.

Gewandeltes Verhalten

Das bewirke eine Änderung im Konsumentenverhalten: "Immer mehr Menschen werden vom Konsumenten auch zum Prosumer, indem sie selbst produzieren und weitergeben, was sie nicht brauchen. Auch diese Rückspeisungen beanspruchen natürlich das Netz."

Der bereits durch den österreichischen Gesetzgeber verordnete Roll-out von Smart Metering stelle eine weitere Herausforderung dar, so Strempfl. Bis 2019 sind 95 Prozent aller Zählpunkte mit intelligenten Messgeräten auszustatten – "das sind 5,5 Mio. Zählpunkte", betonte Strempfl.

Dies erfordert jedoch nicht nur den Austausch der Messeinrichtungen beim Kunden, sondern auch die Errichtung einer vollkommen neuen Infrastruktur zur sicheren Übertragung der Messwerte zu den Head-End- Systemen der Netzbetreiber, um in weiterer Folge entsprechende Verbrauchsinformationen zeitnah für alle Kunden sowie die berechtigten Marktteilnehmer bereitstellen zu können. Österreichweit geht man dabei von einem Investitionsvolumen von zwei Mrd. Euro aus.

Smart Meterin ein guter Ansatz

Für die Netze sei das große Thema aufgrund der hohen Volatilität der Erneuerbaren, dass "mehr Energie in die Netze kommt, als tatsächlich benötigt wird". Steigender Stromverbrauch und starke Schwankungen bringen zusätzliche, neue Anforderungen an die Netze mit sich. Smart Metering sei eine gute Möglichkeit, zeitnahe Informationen zur Einspeisung und zum Lastprofil der Kunden zu erhalten.

"Wenn man Smart Metering ,ausrollt', sollte man es aber auch voll ausnützen", betont Strempfl, der allerdings auch auf noch ungeklärte Fragen im Datenschutz hinweist. Entscheidend sei, dass die Daten nicht kommerziell genützt werden könnten.

Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang auch die Struktur bei den Verteilnetzbetreibern. "Österreichweit gibt es 140 Verteilnetzbetreiber, davon allein 60 in der Steiermark", merkte Strempfl an. Trotz dieser Vielfalt sei die Versorgung in Österreich auf einem sehr hohen Niveau. Zu wünschen übrig lasse jedoch der Bereich der Energieeffizienz. "Hier sind wir trotz vieler Bemühungen noch schwach", attestierte Strempfl, "wenn wir die 20-20-20-Ziele komplett erfüllen wollen, müssten wir eine Steigerung in der Energieeffizienz um rund ein Drittel erreichen".

Eine wichtige Rolle für die sichere Integration der steigenden Stromproduktion aus erneuerbaren Energien werden in den kommenden Jahren smarte Systeme übernehmen. Internationale Erfahrungen weisen schon heute den Weg in die smarte Zukunft, erklärte Reinhard Brehmer, Sprecher Netze von Oesterreichs Energie und Geschäftsführer Wien Energie Stromnetz GmbH.

Datenschutz ist ein Thema

Er betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Informationssicherheit und Netzsicherheit: Smarte Systeme und Smart Grids im Rahmen der Stromversorgung benötigten eine klare Abgrenzung gegenüber den Telekom-Netzen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Brehmer: "Nicht nur in Bezug auf den Datenschutz, sondern auch hinsichtlich der technischen Sicherheit einzelner Anlagen muss den Netzbetreibern die Möglichkeit eingeräumt werden, eigene, geschlossene, betriebliche Kommunikationsnetze aus sicherheits- und versorgungsrelevanten Gründen mit höchstmöglicher technischer Verfügbarkeit betreiben zu können, um unter anderem auch den besonderen Anforderungen an eine kritische Infrastruktur entsprechen zu können."

Hierzu benötigten die Netzbetreiber die Zuweisung von geeigneten Frequenzen zur rein betrieblichen Nutzung. Smart Grids, so Brehmer, bedeuteten aber nicht nur Investitionen in zusätzliche Informationstechnologie, sondern auch in klassische Netzkomponenten: "Smart allein wird nicht genügen, auch die steigenden Lastflüsse müssen bewältigt werden."

Sinnvolle Zusammenarbeit für gesteigerte Sicherheit

In Zukunft gelte es vor allem, auch sinnvolle Synergien zu finden. Der Aufbau der Netze der Zukunft benötigt aber vor allem zweierlei: Planungssicherheit und ein stabiles regulatorisches Umfeld. Brehmer: "Nur so werden Eigentümer und Investoren bereit sein, die erheblichen finanziellen Mittel bereitzustellen." Und diese wären beträchtlich. Allein in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und im Burgenland, rechnete Brehmer vor, sind zwischen 2010 und 2013 insgesamt 1,3 Mrd. Euro, im Schnitt 330 Mio. Euro im Jahr, für das Netzinvestment vorgesehen.

Österreichweit könnten bis 2020 mehr als acht Mrd. Euro in den Ausbau der Netze fließen – rund sechs Mrd. Euro in die Verteilnetze und mehr als zwei Mrd. Euro in die Übertragungsnetze. Plötzliche Änderungen im Regulierungssystem oder willkürliche, sprunghafte Anpassungen der Kostenbasen haben unweigerlich negative Auswirkungen auf das Investitionsverhalten der Netzbetreiber, ergänzte Strempfl: "Das hat nicht nur negative Auswirkungen auf Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit, sondern behindert auch die nationalen Anstrengungen hin zu mehr erneuerbarer Energie im Stromnetz." (Harald Hornacek)

Auf twitter finden Sie einen Überblick der letzten Tweets mit dem Hashtag #OeEnergieTF.

  • Artikelbild
    foto: austrian power grid
Share if you care.