"Wie wär's mit Weltmeister?"

17. Mai 2013, 17:21
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Trotz der Rekordserie von acht Siegen in acht Spielen hält das Team den Puck flach: "Müssen auch jetzt auf dem Boden bleiben" - Österreich nach Südkorea

Die furiosen Schweizer haben noch immer nicht genug. Während sich große Eishockey-Nationen wie Russland und Kanada schon auf den Heimweg machen, greifen die Schweizer bei der WM in Stockholm nach dem historischen Edelmetall. 60 Jahre nach Bronze kann das Team von Headcoach Sean Simpson am Wochenende wieder eine Medaille erobern.

"Diese Truppe ist enorm hungrig auf mehr", sagte Stürmer Reto Suri der Zeitung "20Minuten" nach dem hart erkämpften 2:1 im Viertelfinale über Tschechien. Trotz der Rekordserie von acht Siegen in acht Spielen betonte Martin Plüss: "Wir müssen auch jetzt auf dem Boden bleiben."

Das scheint den Schweizer Medien nicht zu gelingen. "Wie wär's mit Weltmeister?", titelte der "Walliser Bote" am Freitag. Die "Berner Oberländer Zeitung" wähnt "die Schweiz auf den Spuren des großen Russland". Was für ein Vergleich - zumal die Russen, die sich im Vorjahr noch ungeschlagen zum WM-Gold zauberten, diesmal mit einem 3:8 gegen die USA verabschiedet wurden. Die US-Amerikaner sind am Samstag (19 Uhr, live ORF Sport+) Halbfinal-Gegner der Schweiz in Stockholm.

"Letztlich haben wir noch nichts erreicht"

"Letztlich haben wir aber noch nichts erreicht", meinte Andres Ambühl. "Es ist cool und ein weiterer Schritt. Die Medaille ist jetzt sicher das Ziel." Auch Torhüter und Viertelfinal-Sieggarant Martin Gerber betonte: "Wir wollen sicher noch weitergehen in diesem Turnier." Dank seiner Paraden gegen die tschechischen NHL-Stars rettete der Altmeister den Erfolg - vorne gelangen Denis Hollenstein und Nordamerika-Profi Roman Josi die Tore. Die Schweizer "treffen das Ziel besser als Wilhelm Tell", wie die Autoren des humoristischen "Power Rankings" auf der WM-Homepage des Weltverbands (IIHF) fanden.

Sechsmal waren die Schweizer in den vergangenen zehn Jahren im Viertelfinale ausgeschieden. "Sie haben es getan, sie haben die Mauer eingerissen", jubelte "Le Matin" und erkor die Auswahl zur "besten Schweizer Mannschaft der Geschichte". Auch die "Tribune de Geneve" stellte fest: "Dieses Mal hat das Schweizer Team sein Rendezvous mit der Geschichte nicht verpatzt."

Zunächst gegen die USA

In der Vorschlussrunde gegen die USA und dem folgenden Finale oder Spiel um Platz drei kann sich die Schweiz mit Gold, Silber oder Bronze dekorieren. Am Sonntag trifft sie entweder auf Schweden oder Finnland, die sich davor im zweiten Halbfinale am Samstag (15 Uhr, live ORF Sport+) ein mit Spannung erwartetes Gastgeber-Duell liefern.

Für die Schweden geht es nach dem Zittersieg über Kanada (3:2 nach Penaltyschießen) nicht nur um Prestige, die Wiedergutmachung nach dem Viertelfinal-Aus 2012 vor eigenem Publikum und Revanche für das verlorene Endspiel 2011 in Bratislava gegen Finnland. Das Team will in Stockholm auch einen langen WM-Heimfluch beenden: Seit 1986 hat kein Turnierausrichter mehr Gold gewonnen. 

Für Österreich geht es nach Seoul

Das österreichische Eishockey hat einen weiten Weg vor sich. Der Paternoster, in dem das Team seit 2004 zwischen A- und der B-Gruppe hin- und herpendelt, hält 2014 in Südkorea. Die B-WM wurde am Freitag von der IIHF an Seoul vergeben, Teilnehmer sind die Absteiger Österreich und Slowenien sowie Ungarn, Japan, die Ukraine und Südkorea. Zwei der sechs Teams steigen auf.

Die A-WM 2014 steigt in Minsk (Weißrussland). Für Österreich wieder interessant könnte 2015 (Prag und Ostrau) werden, die WM 2016 verteilt sich auf Moskau und St. Petersburg. 2017 tun sich, wie seit Freitag feststeht, wieder zwei Länder zusammen, nämlich Frankreich und Deutschland, Spielorte sind Paris (bis zum Viertelfinale) und Köln.

Die bis dato letzte WM in Österreich liegt auch schon wieder acht Jahre zurück (2005, Wien/Innsbruck), Wien war auch 1967, 1977, 1987 und 1996 dran. Eine weitere WM in Österreich ist derzeit undenkbar, weit und breit gibt es keine WM-taugliche Halle. Die gute alte Wiener Stadthalle hat sich 2005 mit miserablem Eis und sonstigen Problemen disqualifiziert. (APA/fri - 17.5.2013)

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    Besser als Wilhem Tell: Denis Hollenstein und seine Kollegen.

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