Cook it, share it, live it: Disco Salat gegen die Wegwerfgesellschaft

17. Mai 2013, 14:30
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Die Wiener Botschafter des Food Revolution Day, Marko Ertl und Matthias Kroisz, veranstalten auf der Freyung einen "Disco Salat" für Schulkinder

Obst und Gemüse, das es meist aus optischen Gründen nicht in die Regale der Supermärkte geschafft hat, trifft auf 150 acht- bis zehnjährige Schulkinder. Schürzen werden umgebunden, Messer und Schäler in die Hand genommen.

Schnippeln, mixen, mischen und Smoothies und Salate an die Mitschüler und Passanten verteilen, lautet die Aufgabenstellung. All das spielt sich in einem Winkel der Wiener Freyung ab.

In 500 Städten weltweit wird am 17. Mai der im Vorjahr erstmals vom englischen Koch Jamie Oliver ausgerufene Food Revolution Day zelebriert. Nach dem Motto "Cook it, share it, live it" soll Bewusstsein für gesundes Essen in der Schule und einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln geschaffen werden.

Wien mischt heuer mit einem "Disco Salat" mit. Die Idee dazu hatten Marko Ertl und Matthias Kroisz. Sie adaptierten eine Aktion der Slowfood-Jugend Berlin für Kinder und meldeten sich damit bei Jamie Oliver an. Die beiden Studenten wollen mit ihrer Aktion jungen Menschen den gesunden Umgang mit Lebensmitteln näherbringen und zeigen, wie viele frische Lebensmittel täglich weggeworfen werden.


Das gespendete Obst und Gemüse ist tadellos, es entspricht nach Ansicht der Lebensmittelindustrie nur nicht der von den KonsumentInnen gewünschten Form und Farbe.

Es folgten drei Monate Vorbereitungen; fulltime und ehrenamtlich, versteht sich. Auch private Mittel der Organisatoren sind in den "Disco Salat" geflossen. "Wenn wir Glück haben, steigen wir mit null aus", sagt Ertl und zeigt auf eine unauffällig platzierte Spendenbox.

An mehren Stationen erfolgt die Verarbeitung der Lebensmittel, die von LGV Gemüse, Merkur, Biohof Adamah, Strobl, Sonnentor und vielen weiteren Sponsoren angeliefert wurden.


Schälen und schneiden, Smoothies mixen, Salat mischen und auf Papptellern anrichten: Die Kinder haben die Verantwortung für den gesamten Produktionsprozess und arbeiten mit Profi-Werkzeugen.

"Kleine Schnittverletzungen werden locker weggesteckt", sagt "Rohgenuss"-Bloggerin Michaela Russmann, die ihre nahe gelegene "BioWerkstatt" für die Lagerung und Vorbereitungen wie das Waschen von Obst und Gemüse zur Verfügung gestellt hat.

Gemeinsam mit Maria Taferner, Autorin des veganen Kochblogs "A Cherry on Top", steht sie den Kindern zur Seite. "Es geht um das spielerische Erleben von Gesundheit", sagt Russmann. "Ziel ist, die Kinder wieder zum Kochen zu bringen", ergänzt Marko Ertl.


Von links: Marko Ertl, Michaela Russmann, Maria Taferner und Matthias Kroisz.

Die Kinder, die alle Arbeitsstationen durchlaufen haben, werden selbst zum Essen und Trinken entlassen.

Mühe und Investitionen scheinen bereits um 10 Uhr vergessen zu sein: Die Kinder wollen ganz offensichtlich arbeiten. Sie sind begeistert bei der Sache und stecken damit alle Passanten an.

"Boah, schau einmal den Kohlrabi!" - "Ich hab eine Riesenerdbeere!"

"Hier, trinken Sie diesen Smoothie!", wird einem ein Becher in die Hand gedrückt. "Da ist Banane, Erdbeere, Birne und Orange drin."

Der "Disco Salat" soll nächstes Jahr in einem größeren Rahmen wiederholt werden.

(Eva Tinsobin, derStandard.at, 17.5.2013)

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