Restaurant: Social-Media-Fiasko nach Reality-Show

17. Mai 2013, 12:39
522 Postings

Ein US-Restaurant blamiert sich zuerst im TV und dann mit beleidigenden Postings gegen Facebook-User

Gordon Ramsay, seines Zeichens renommierter britischer Sternekoch und Autor mehrerer Kochbücher, ist in den USA auch als Fernsehkoch bekannt. In der Reality-Fernsehsendung "Ramsay's Kitchen Nightmares" auf Fox kocht er allerdings nicht, sondern gibt Restaurantbesitzern Tipps, wie sie ihr Unternehmen verbessern und die Küche aufpolieren. Dass Kritik aber nicht immer ankommt, zeigen die Ereignisse rund um eine der jüngst ausgestrahlten Sendungen. Buzzfeed bezeichnete den Vorfall als "epischstes Dahinschmelzen einer Marke".

Beratungsresistenz

Ramsay besuchte "Amy's Baking Company", ein Restaurant in Arizona mit vermeintlich französischer Küche. Die Besitzer des Restaurants, ein Ehepaar, waren allerdings so beratungsresistent, dass Ramsay zum ersten Mal seit 82 Folgen den Schauplatz verließ und die Besitzer ihrem Schicksal überließ. Vor allem die Besitzerin des Restaurants wollte nicht so recht auf Ramsay hören und konnte Kritik nicht entgegennehmen. Dass sie in einem Zeitraum von etwa mehr als einem Jahr mehr als 100 Menschen eingestellt und wieder gefeuert hatte und ihre Ravioli nicht aus dem Tiefkühler kommen sollten, wollte die Dame einfach nicht hören. Sie kündigte eine Mitarbeiterin vor laufender Kamera und bestätigte damit Ramsays Kritik. Ramsay ging, und der sprichwörtliche "Shitstorm" kam.

Facebook-User beschimpfen

Auf der Facebook-Seite des Restaurants geht es seit Tagen heiß her. Nach der Ausstrahlung der Sendung kommentierten viele Zuschauer auf der Seite und äußerten Bedenken zu der Geschäftspraxis der beiden Unternehmer. Es gab viel zu kritisieren, die User nahmen sich kein Blatt vor den Mund. Statt gezielt auf Kritik einzugehen, gingen die Besitzer auf die Facebook-User los und beschimpften diese auf wüsteste Art und Weise in ihren Postings - die mittlerweile gelöscht wurden.

Überhand

Die Seite schaffte es auf Reddit, was der Angelegenheit noch ein Eck mehr negative PR verlieh. Reddit wurde zum zweiten Schauplatz eines Fiaskos, das das Restaurant nicht mehr abzuwenden wusste. Man drohte mit Polizei, Klagen und beschimpfte weiter. Auf Yelp, einer Empfehlungsplattform für Restaurants und Bars, schienen die negativen Bewertungen indes Überhand zu nehmen. Zahlreiche US-Websites berichteten daraufhin über das Restaurant mit den beleidigenden Besitzern.

Zurückrudern

In Caps Lock schrieben die Besitzer Kommentare wie "Ich bin nicht dumm, ihr seid es alle. Ihr wisst nicht, was gutes Essen ist" oder "Ihr seid alle scheiße" und ähnliches. Dass negative Berichterstattung den beiden Besitzern am Ende doch womöglich mehr geschadet als genützt hat, zeigt ihr Zurückrudern: Gestern sind sämtliche beleidigende Postings verschwunden.

Im Pinterest-Profil des Unternehmens wurde die Besitzerin auch beim Schummeln erwischt: Die Plattform, die vor allem von Foodbloggern genutzt wird, wurde von Amy offenbar verwendet, um Gebackenes von fremden Blogs als ihr eigenes Werk zu deklarieren. Dort hat die Dame allerdings vernachlässigbare 187 Follower. Die Fotos sind allerdings auch auf der Facebook-Seite zu finden. Um dem entgegenzuwirken, haben Reddit-User die Fotos mit "Stolen Photo" getaggt und die Originalquellen angegeben. Einige Blogger haben in den Kommentaren angekündigt, rechtlich gegen die Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.

Neustart

Am Donnerstag hat sich das Unternehmen offenbar der Empfehlung einer PR-Agentur gebeugt und auf der Facebook-Seite bekanntgegeben, dass eine Neueröffnung des Restaurants geplant sei. Zudem beteuerten die Besitzer, dass sie für die Postings nicht verantwortlich und ihre Accounts gehackt worden seien. Viele Szenen in der Sendung seien "erlogen", so die Besitzer in einem Statement auf Facebook.

Teile des Erlöses bei der Neueröffnung sollen einem Programm zugutekommen, das sich gegen Cyberbullying einsetzt. Die User zeigen sich unter dem Posting allerdings wenig beeindruckt vom Versuch eines Neustarts. Einige User sind sogar der Ansicht, dass man nur Gäste anlocken will, um diese dann offline zu beleidigen. Andere wiederum  zeigen sich besorgt, da die Restaurantinhaber immer wieder mit dem FBI gedroht haben, auch in den jüngsten Postings.

Negativer Beigeschmack

In der Glut der Ereignisse einen Neustart zu wagen wirkt ziemlich mutig. Wie auch bei anderen "Shitstorms" wird auch hier Gras über die Sache wachsen. Ein negativer Beigeschmack bleibt aber womöglich noch lange Zeit erhalten. Auf viel Laufkundschaft kann das Restaurant in nächster Zeit vermutlich also nicht hoffen. (iw, derStandard.at, 17.5.2013)

  • Die Besitzerin gibt Ramsay zu verstehen, was sie von seinen Ideen hält
    foto: screenshot

    Die Besitzerin gibt Ramsay zu verstehen, was sie von seinen Ideen hält

  • Die negativen Kommentare auf Yelp scheinen nicht zu enden
    foto: screenshot

    Die negativen Kommentare auf Yelp scheinen nicht zu enden

  • Auf Facebook wurden User in zahlreichen Postings beschimpft
    foto: screenshot

    Auf Facebook wurden User in zahlreichen Postings beschimpft

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