Klopapier-Mangel bewegt Venezuelas Politik

Blog17. Mai 2013, 11:37
46 Postings

Im Land sind Toilettenpapier und Nahrungsmittel knapp. Sozialistenchef Maduro geht nun auf die Unternehmer zu

In Venezuela sind in den letzten Monaten viele Güter rar geworden. Darunter auch Toilettenpapier. Während das Handelsministerium laut der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) eine "Medienkampagne" dafür verantwortlich macht, dürfte der Grund dafür wohl eher in Einfuhrzöllen und Preisobergrenzen liegen. Die sozialistische Regierung will nun 50 Millionen WC-Papierrollen kaufen. Sozialistenchef Maduro geht auf die Unternehmer zu. 

Wortgefecht

Als erster durfte sich Lorenzo Mendoza von Maduro geehrt fühlen. Der Milliardär kontrolliert mit seiner Empresas Polar den Markt für Mehl, Nudeln und Reis im Land. In einem Treffen habe man sich versöhnt, ließen beide ausrichten. Die Wochen zuvor lieferte man sich ein über die Medien ausgetragenes Wortgefecht. Der Politiker verdächtigte den Unternehmer des Hortens von Grundnahrungsmitteln, letzterer forderte den Chavez-Nachfolger zur Re-Privatisierung von verstaatlichten Firmen auf. 

Teureres Fleisch und Milch

Nun will die Regierung die unter dem verstorbenen Chavez eingeführten Preisobergrenzen ein wenig anheben, um den Unternehmen Anreize zur Produktion zu bieten. So sollen die Anbieter mehr für Hühner- und Rindfleisch oder Milch verlangen dürfen. Nicht, dass in Venezuela nicht schon vorher alles teurer geworden wäre. Die Inflation betrug in den ersten vier Monaten des Jahres 12,5 Prozent. 

Auch der Preis für Toilettenpapier dürfte steigen. Aber immerhin gibt es welches. Dabei darf man die psychologische Wirkung nicht vergessen. "Selbst mit meinem Alter habe ich so etwas nie gesehen", wird die 70-jährige Maria Rojas von AP zitiert. Sie hat in der Hauptstadt Caracas zwei Wochen gebraucht, um das wertvolle Papier zu finden. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 17.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Klopapier ist rar in Venezuelas Supermarkt-Regalen.

Share if you care.