Softwareabos? Nein, danke!

20. Mai 2013, 13:41
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Adobe will das Modell "Mieten statt kaufen" durchsetzen - Kunden wollen das aber nicht, wie eine Umfrage zeigt

Egal ob Adobes Photoshop oder Office von Microsoft: Softwarehersteller wollen das Modell "Mieten statt kaufen" durchsetzen. Die Rechnung haben sie dabei allerdings ohne die Kunden gemacht, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Das mit Abstand bekannteste Grafikprogramm der Welt, Photoshop, sowie weitere Programme der Creative Suite, soll es künftig nur noch im Abo-Modell geben. Das kündigte Hersteller Adobe vergangene Woche an. Die Software wird immer noch auf dem PC oder Mac installiert, verbindet sich aber alle 30 Tage mit den Adobe-Servern, um zu überprüfen, ob das Abo noch aktiv ist. Einstellungen und Daten werden ebenfalls im Internet gespeichert und sind somit auch auf anderen Geräten vorhanden. Nach Ablauf des Abos haben die Nutzer keinen Zugriff mehr auf ihre Daten.

Adobe-Konkurrent Corel wittert durch den Abo-Zwang beim unumstrittenen Marktführer Morgenluft. Der Grafiksoftwareanbieter ließ das Marktforschungsinstitut Innofact eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Personen in Deutschland durchführen. Das Ergebnis: Konsumenten in ganz Deutschland kaufen Anwendungssoftware am liebsten im Internet. Software zu mieten statt zu kaufen kommt dagegen für sie nicht in Frage.

Nur ein Prozent der Deutschen wollen Mietsoftware

Nur ein Prozent der Befragten wollen derzeit Software aus der Cloud mieten oder abonnieren. Die Konsumenten scheuen vor allem vor der Verpflichtung zu fortlaufenden Zahlungen zurück (87 Prozent) und Dreiviertel der Befragten sahen es als großen Nachteil an, die Software nach Ablauf oder Kündigung des Abonnements nicht weiter nutzen zu können. Bei der bevorzugten Methode des Kaufs rangierte ein physisches Produkt wie eine DVD-Box aus dem Internet zu bestellen (35 Prozent) vor einem reinen digitalen Download (33 Prozent) und dem Erwerb einer physischen Box im Geschäft oder Fachhandel (25 Prozent). So gute wie alle – 93 Prozent der Befragten – gaben an, das Internet vor jedem Kauf für Informationen über Produkt und Preise zu nutzen.

Microsoft lässt noch die Wahl

Weniger radikal als bei Adobe ist das Modell von Microsoft. Das Office-Paket wird in der Cloud-Variante Office 365 zwar seit der neuesten Version auch als echter Cloud-Service angeboten, der dann überall von jedem Gerät aus via Webbrowser genutzt werden kann. Nach wie vor lässt sich Office aber auch klassisch kaufen und ohne Abo-Zwang installieren.

Für das Abo-Modell spricht, dass die Software immer aktuell gehalten wird. Ähnlich wie bei den häufig aktualisierten Apps will auch Microsoft seine Software künftig regelmäßig online aktualisieren statt auf große Veränderungen mit festen Veröffentlichungsterminen zu setzen. Für sehr kleine Firmen sind monatliche regelmäßige Ausgaben außerdem für die Liquiditätsplanung günstiger als seltene und dann große Ausgaben.

Doch nur wenige echte Profi-Nutzer, die mit dem beruflichen Einsatz der Software viel Geld verdienen, haben bislang wirklich jede neue Version einer Software gekauft. Den allermeisten Laien und auch vielen Profis reichte eine Version einer Software über Jahre aus. Auf vielen Büro-PCs ist noch heute bis zu 10 Jahre alte Software installiert und verrichtet ohne Probleme ihren Dienst. Für die Anbieter von Software ein Ärgernis – doch die Kunden sparen Geld. Denn ein Großteil der umfangreichen Funktionen heutiger Software wird ohnehin nicht genutzt. Besonders private Gelegenheitsnutzer fahren mit dem Abo-Modell finanziell deutlich schlechter.

Die Miete lohnt sich nur für regelmäßige Käufer neuer Versionen

Bei Adobe kostet die Nutzung der gesamten Softwarepalette beispielsweise happige 61,49 Euro im Monat – und das nur bei einem Vertrag über ein Jahr. Das sind rund 738 Euro im Jahr. Nach etwas über zwei Jahren kommt damit der Preis zustande, den ein Kunde aktuell für die unbegrenzte Nutzung der derzeit aktuellen Version 6 der Adobe Creative Suite zahlt. Deutlich günstiger ist außerdem die "Student & Teacher"-Version des Softwarepakets, die ohne besonderen Nachweis verkauft wird. Das Abo-Modell lohnt sich also nur für denjenigen, der auch ansonsten jede neue Version der Software gekauft hätte, die im Abstand von etwa zwei Jahren erscheinen. Ein einzelnes Programm aus der Adobe Suite – wie Photoshop – kostet 24,59 Euro im Monat.

Im Netz regt sich Widerstand gegen die Adobe-Pläne. Mehr als 13.000 Nutzer haben bereits eine Onlinepetition gegen den Cloud-Zwang unterschrieben. Adobe-Produktmanager John Nack reagierte auf die Kritik, dass Nutzer nach dem Ende ihres Abos für die Adobe Cloud nicht mehr auf ihre Daten zugreifen können. „Sie sollten niemals den Zugriff auf Ihre Arbeit verlieren, Punkt", schrieb er im offiziellen Adobe-Blog. Adobe arbeite an einer Lösung, versicherte er.

Cloud sorgt für "Schatten-IT"

Der Trend zur Nutzung von Cloud-Programmen verändert übrigens nicht nur die Preismodelle bei der Software. Laut einer aktuellen Studie sorgen über das Internet genutzt Programme für eine Art „Schatten-IT" in vielen Unternehmen.  Laut der von VMware in Auftrag gegebenen europaweiten Umfrage unter 1.500 IT-Mitarbeitern und 3.000 Angestellten werden in jedem Unternehmen durchschnittlich 1,6 Millionen Euro pro Jahr für nicht genehmigte Cloud-Dienste an den IT-Entscheidern vorbei ausgegeben. Trotz der dadurch möglicherweise entstehenden Sicherheitsrisiken sehen Unternehmen diese „Schatten-Clouds" aber nicht nur negativ. Dadurch würden Innovationen im Unternehmen gefördert, schnelleres und effizienteres Arbeiten ermöglicht und Wettbewerbsvorteile erzielt, heißt es in der Mitteilung des Virtualisierungsspezialisten VMWare. (Stephan Dörner, Wsj.de/derStandard.at, 17.5.2013)

  • Für Adobes Umstieg von der Creative Suite zur Creative Cloud hat das Unternehmen viel Kritik geerntet.
    foto: adobe

    Für Adobes Umstieg von der Creative Suite zur Creative Cloud hat das Unternehmen viel Kritik geerntet.

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