Herpesvirus reaktiviert Blutbildung in Leber und Milz

17. Mai 2013, 08:05
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Infektionen können dazu führen, dass die Blutbildung im Körper an ungewöhnlichen Stellen stattfindet

Die Blutbildung ist für ein funktionierendes Immunsystem essentiell, da sie auch die Zellen der Immunabwehr hervorbringt. Während der fetalen Entwicklung wird das Blut zunächst hauptsächlich in Leber und Milz produziert. Später wird die Blutbildung ins Knochenmark verlagert, wo sie normalerweise für den Rest des Lebens stattfindet.

Infektionen können dazu führen, dass die Blutbildung außerhalb des Knochenmarks – die sogenannte extramedulläre Hämatopoese – wieder reaktiviert wird. Bekannt dafür ist beispielsweise das Zytomegalievirus (CMV) aus der Familie der Herpesviren, das bei Personen mit unreifem oder geschwächtem Immunsystem zu schweren Erkrankungen führen kann.

Infizierte Zellen erkennen

Ein internationales Team um Ulrich Koszinowski vom Max von Pettenkofer-Institut der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität München) hat nun untersucht, wie diese Viren die Blutbildung außerhalb des Knochenmarks aktivieren. Zur Überraschung der Forscher kam eine bislang unbekannte Verbindung zwischen Blutbildung und Natürlichen Killerzellen (NK) ans Licht. Natürliche Killerzellen sind ersten Zellen der Immunabwehr sind, die gegen eine Infektion mit dem CMV aktiv werden: Sie erkennen und töten infizierte Zellen und produzieren verschiedene Botenstoffe, die weitere Immunzellen gegen den Erreger aktivieren.

"Entscheidend für die Reaktivierung der Blutbildung ist die Fähigkeit der natürlichen Killerzellen, infizierte Zellen abzutöten", sagt Jordan: Zwar wird die extramedulläre Hämatopoiese durch eine Entzündungsreaktion aufgrund der CMV-Infektion überhaupt erst initiiert – aber wenn sich das Virus ungehindert ausbreiten kann, unterdrückt es diese Blutbildung wieder. "Die extramedulläre Hämatopoiese in der Milz bleibt nur bestehen, wenn natürliche Killerzellen die Virusausbreitung verhindern, indem sie die befallenen Zellen beseitigen", erklärt Jordan.

Gezielt stimulieren

Die extramedulläre Hämatopoiese scheint somit eine antivirale Reaktion zu sein. Möglicherweise eröffnen diese Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung auch neue therapeutische Wege: Eine gezielte Stimulation dieses Mechanismus könnte helfen, die Infektion zu bekämpfen. Manchmal kommt es allerdings auch zu einer Überreaktion des Immunsystems und die Milz wird so vergrößert, dass sie operativ entfernt werden muss. "In so einem Fall wäre es besonders interessant, zu untersuchen, wie das Zytomegalievirus die extramedulläre Hämatopoiese unterdrückt – dann könnte man mithilfe dieses Mechanismus eventuell die Überreaktion stoppen", sagt Jordan. (red, derStandard.at, 17.5.2013)

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