Der Anwalt der kleinen Leute

16. Mai 2013, 22:54
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Peter Turrinis Stationendrama "Aus Liebe" wurde in Wien im Josefstädter Theater uraufgeführt

Wien - Nein, in Peter Turrinis neuem Stück geht es nicht nur um einen Mann, der seine Frau mit der Axt erschlägt: Es gibt zwei Handlungsstränge. In beiden Fällen, miteinander verknüpft durch die gleiche Polizeiwachstube, haben die Protagonisten ihre Taten "Aus Liebe" verübt - wie denn das Stationendrama, das am Donnerstag im Theater in der Josefstadt uraufgeführt wurde, auch heißt.

Der eine Fall ist eher absurd: Eine Witwe futtert fremden Männern in der Aida deren Mehlspeise weg. Denn mit ihrem Mann hatte sie bei Kaffee und Kuchen klassische Konzerte analysiert. Der andere Fall hingegen ist tieftraurig. Mit dem Verlust der Liebe gehen die Protagonisten gegensätzlich um: Mundräuberin Marianne Nentwich plappert unaufhörlich; Axtmörder Ulrich Reinthaller hingegen ist in erster Linie stumm.

Turrini vermeidet aber Küchenpsychologie: Er erweist sich wieder als Anwalt der kleinen Leute, verschafft ihnen eine Bühne. Es ist daher nur logisch, dass Herbert Föttinger das gesamte Ensemble die ganzen 80 Minuten hindurch auf dieser sitzen lässt. Und er inszeniert das szenenweise echt witzige Stück als Thriller in der Machart von "24". Durchaus geglückt. (trenk, DER STANDARD, 17.5.2013)

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    Ulrich Reinthaller und Isabella Gregor in "Aus Liebe".

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