Präzedenzfall: Beuys-Museum darf Fotos ausstellen

16. Mai 2013, 19:15
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Karlsruhe: Juristisches "Neuland" zu Urheberrecht bei Fotos

Karlsruhe - Die Witwe des Künstlers Joseph Beuys kann das Ausstellen von Fotos einer Fett- und Schokoladenaktion ihres Mannes von 1964 nicht mehr verbieten, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag in Karlsruhe. Damit hatte die Revision des Beuys-Museums Schloss Moyland gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf Erfolg. Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, die die Interessen der Witwe des Künstlers, Eva Beuys, vertritt, hatte 2009 vor dem Landgericht Düsseldorf durchgesetzt, dass das Museum 18 Fotos der Aktion wieder abhängen musste. Das OLG hatte das Urteil bestätigt.

Ein jahrelanger Rechtsstreit  ist damit in höchster Instanz verhandelt worden.  Eva Beuys hatte sich in zwei Instanzen durchgesetzt und ein Ausstellungsverbot der Fotos der 1964 live im ZDF übertragenen Fettecken-Aktion erwirkt. Das auf Beuys spezialisierte Museum am Niederrhein hatte die Fotos ohne ihre Erlaubnis ausgestellt.

Der I. BGH-Zivilsenat musste darüber urteilen, inwiefern eine öffentliche Live-Performance, die nur in Bruchstücken dokumentiert ist, urheberrechtlich geschützt werden kann. Eine Aufzeichnung der Sendung existiert nicht. Nach Ansicht der  VG Bild-Kunst sind die Fotos der Aktion eine "unzulässige Bearbeitung" - die Aktion wäre damit urheberrechtlich geschützt. Die Karlsruher Richter betreten mit dem Rechtsstreit nach eigenen Angaben "Neuland".

Für Museum "ein Präzedenzfall"

Joseph Beuys (1921-1986) hatte vor 50 Jahren live in der ZDF-"Drehscheibe" aus Margarine-Riegeln eine Fettecke hergestellt, mit Schokolade ein Transparent gemalt und einen Spazierstock mit Fett verlängert. Der Fotograf Manfred Tischer hatte die exzentrische Performance auf Wunsch von Beuys festgehalten. 18 Fotos davon stellte das Beuys-Museum aus, musste sie aber 2009 wieder abhängen. Das Landgericht und das Oberlandesgericht Düsseldorf sprachen das Urheberrecht an den Aufnahmen des 2008 gestorbenen Fotografen Eva Beuys zu. Nach Ansicht der Richter hatte Tischer die Aktionskunst von Beuys durch die Fotos umgestaltet. Die Ausstellung hätte deshalb von der Witwe genehmigt werden müssen.

Das Museum geht davon aus, dass ein "Medienstar" wie Beuys, für den Öffentlichkeit wichtig war, mit der Präsentation der Fotos einverstanden gewesen wäre. "Wir sahen deshalb keine Notwendigkeit nachzufragen", sagte die künstlerische Direktorin Bettina Paust, am Donnerstag. Für Paust geht der Streit weit über den Einzelfall hinaus: "Das ist ein Präzedenzfall." Sie befürchtet bei Bestätigung der vorinstanzlichen Urteile weitreichende Folgen für Fotografen, die Happenings, Theater- und Musikdarbietungen dokumentieren wollen.

Der Anwalt der Beuys-Witwe und damals zuständige Vorstand der VG Bild-Kunst, Gerhard Pfennig, betonte hingegen: Es gehe nicht darum, Dokumentationsfotografie zu verbieten. Aus der Live-Aktion eine eigene Foto-Serie zu machen, sei aber unzulässig. Ein Vertreter der VG Bild-Kunst sagte in der Verhandlung: "Eine Serie von 18 Aufnahmen, die die Aktion wiedergeben soll, war von der Einladung, Fotos zu machen, nicht gedeckt."   (APA, 16.5.2013)

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