Wie ein Marchfelder Bauer Reeder wurde

17. Mai 2013, 09:15
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Die Hoffnung, mittels Schiffsfonds Gewinn zu machen, ist für Manfred K. gesunken. Die versprochene Rendite hat er nie gesehen

Wien - Nachzahlen mussten Anleger, die in den goldenen Vorfinanzkrisenjahren in sogenannte Schiffsfonds investiert haben, meistens nicht. Ihr Geld, vor Ausbruch der Krise in vermeintlich sichere Häfen investiert, sehen sie jedoch in den seltensten Fällen wieder. Wie Manfred K., Landwirt im niederösterreichischen Marchfeld, der über Vermittlung der Raiffeisen Regionalbank Gänserndorf vor sieben Jahren 50.000 Euro in MPC Reefer Flotte investierte. Der von MPC Münchmeyer Petersen Capital (MPC) aufgelegte und von Banken vertriebene Fonds diente der Finanzierung von Kühlschiffen.

Mitgefangen, mitgehangen

Als das Frachtaufkommen nach der Lehman-Pleite massiv einbrach, saßen die Reeder - und mit ihnen die finanzierenden Banken - über Nacht auf massiven Überkapazitäten, die Schiffe brauchte schlicht niemand. Die Privatanleger merkten von der Flaute zunächst nichts. Sie erhielten die in den Broschüren pro Jahr versprochene Ausschüttung oder zumindest Teile. Bei Manfred K. sollten es laut Ausschüttungsliste sieben Prozent per anno sein. Die bekam der Landwirt zwar nie (in Summe wurden ihm nur 3.500 Euro an Ausschüttung überwiesen, also im Wesentlichen der in Aussicht gestellte Betrag eines Jahres), so richtig unzufrieden wurde der Regionalbankkunde aber erst fünf Jahre nach Einzahlung.

Als 2009 gar kein Geld mehr ausgeschüttet wurde, dämmerte dem Anleger, dass die Saat nicht aufging. Die Analyse fiel ernüchternd aus: Die versprochenen Ausschüttungen bestanden nicht aus erwirtschafteten Gewinnen, sondern erwiesen sich als Kapitalrückzahlungen auf die vom Anleger bei Eintritt geleistete Kommanditeinlage. Der Bauer fand sich in der Rolle des Kommanditisten eines Flottenbetreibers, der im Fall eines Konkurses theoretisch sogar zu Kapitalnachschüssen gezwungen werden könnte.

Anwalt sieht Ausschüttungsschwindel

Auch sind die Anteile am Kühlschiffbetreiber nicht an der Börse handelbar wie Investmentfonds und de facto unverkäuflich, wie es in der Klagsschrift heißt, die dem Standard vorliegt. Nun ist die Causa ein Fall für das Gericht in Korneuburg, denn der Bauer hat Klage eingebracht gegen seine Hausbank, weil er sich schlecht beraten, unzureichend über Risiken aufgeklärt fühlt. "Das ist ein Ausschüttungsschwindel", attestiert der Anwalt des Landwirts, Wolfgang Leitner.

Der Rechtsvertreter der Gänserndorfer Bank, von der das Anlageprodukt Reefer Flotte vertrieben worden war, bestreitet die Vorwürfe. Die Ansprüche seien längst verjährt, denn dem Kunden sei spätestens seit 2009 klar, dass die Performance schlecht sei. Damals habe er in der Bank nachgefragt. Eine Anfechtung wegen Irrtums oder weil ihm die Bank "das falsche Produkt verkauft habe", sei nur drei Jahre lang möglich. Auch der Vorwurf der Täuschung gehe ins Leere.

Üppige Spesen

Erhellend ist vor diesem Hintergrund der 188-seitige Emissionsprospekt. Aus ihm erschließt sich, dass MPC in den ersten elf Jahren ab 2006 nicht Erträge auszahlte, sondern die Einlagen. Erst in den letzten vier Jahren ab 2016 durfte der Anleger laut der ihm ausgehändigten persönlichen Ausschüttungsliste mit wirklichen Gewinnausschüttungen rechnen. Selbige hoffte die Hamburger Gesellschaft mit dem Verkauf von Schiffen zu lukrieren. Aus ihm wurde nichts, die Banken sitzen auf leeren Schiffen.

Dieser dicke Prospekt wurde Kunden in Österreich übrigens nicht vorgelegt, hierzulande gab es nur die abgespeckte Version mit 90 Seiten. Üppig dafür die Nebenkosten: MPC kassierte 25,39 Prozent Vertriebsspesen. Und dann noch fünf Prozent Agio, was bei 144,237 Millionen Euro Gesamtvolumen 7,2 Millionen Euro ausmacht, die als Provision an Vertriebsbanken flossen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 17.5.2013)

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    Als die Wirtschaftskrise ausbrach, brach die Nachfrage ein, und Schiffe blieben leer. Wer Schiffsfonds gekauft hatte, hat jetzt Verluste.

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