Metaller wollen Freizeit für Mehrarbeit

16. Mai 2013, 18:45
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Die Gewerkschaft zeigt will das Modell aber nur einführen, wenn es wieder einen einheitlichen KV für alle Metaller gibt

Wien - Jahrelang waren flexiblere Arbeitszeiten und Überstundenzuschläge in der Metallindustrie für die Gewerkschafter ein rotes Tuch. Nun haben Produktions- und Privatangestelltengewerkschaft die in sechs Fachverbänden versammelten Arbeitgeber überrumpelt. Sie haben ein Modell präsentiert, das bis zu zwei Jahre Durchrechnung (statt bisher ein Jahr) ermöglicht und die Konsumation der geleisteten Mehrarbeit überwiegend in Freizeit vorsieht.

Geben und Nehmen

Beim Modell "Bandbreite neu" bekommt die Arbeitszeit ein Mascherl. Es können über die gesamte Laufzeit von vier Jahren maximal zwei Monate Arbeitszeit (à 167 Stunden) angespart werden (in der derzeit gültigen Regelung sind es 80 bis 120, die mit 25 Prozent Zeitzuschlag konsumiert werden können. Die in das zweite Durchrechnungsjahr mitnehmbaren Zeitguthaben sollen von 40 auf 77 Stunden erhöht werden. Die Differenz (auf das maximal hortbare Kontingent von 334 Mehrstunden in zwei Jahren) ist mit 50 Prozent Aufschlag zu versehen und auszuzahlen. Mehrstunden über die Kontingente hinaus sind sofort mit Aufschlag auszuzahlen. Und: Nachtarbeitsstunden sollen generell mit 3,6 Minuten Nachtzuschlag belegt und auf einem eigenen Zeitkonto gesammelt werden.

Der Haken an dem von Arbeitgebervertretern hinter vorgehaltener Hand durchaus wohlwollend betrachteten Vorschlag: Die Gewerkschaft verlangt im Gegenzug die Wiedervereinigung der im Vorjahr von den Arbeitgebern aufgekündigten Tarifgemeinschaft von Maschinenbauern, Gießereien, Kfz-Industrie und Stahlherstellern. "Dieses Angebot gilt nur, wenn die Kollektivvertragsgemeinschaft wieder hergestellt wird", stellten Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Karl Proyer von der Privatangestelltengewerkschaft GPA klar.

Ablehnende Unternehmer

Dementsprechend zurückhaltend fallen die Reaktionen auf Unternehmensseite aus. Eine Rückkehr zur großen Metallerrunde sei sicher nicht vorstellbar. Offiziell wollte sich niemand äußern. Der größte Fachverband Maschinen/Metall war nicht zur Präsentation erschienen. Vorstellbar ist für die Gewerkschaft, die Durchrechnungszeiträume auf bis zu zweimal 24 Monate auszudehnen. "Im Fall einer Krise ist diese Zeit abrufbar - das war stets der Wunsch der Arbeitgeber, und das war bisher nicht möglich", warb Proyer für das neue Modell, für das sich die rund 160.000 Beschäftigten und Betriebsräte laut Umfrage erwärmen konnten. (ung, DER STANDARD, 17.5.2013)

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    Der Kurs geht Richtung Freizeit statt Überstunden.

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