Fernando "El Niño" Torres

16. Mai 2013, 18:38
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Der Bub hat sich ein historisches Quartett gelegt

Knapp zwei Monate lang hat Fernando Torres nahezu furchterregend ausgeschaut. Das lag an der schwarzen Gesichtsmaske, die seine gebrochene Nase vor weiterem Unheil im rauen Fußball schützte. Rechtzeitig vor dem Finale der Europa League hat sie der 29-jährige Spanier abgelegt. Und da war wieder der Mann mit den kindlichen Zügen zu sehen. Sie nennen ihn deshalb El Niño (Bub). Die Pubertät hat bei ihm auf den Bartwuchs vergessen, was freilich positive Seiten hat, denn das Rasieren kommt in puncto Faszination und Kreativität gleich nach dem Bügeln.

Am 15. Mai hat Torres in Amsterdam das 1:0 für Chelsea gegen Benfica geschossen, die Engländer gewannen 2:1. Der Mittelstürmer hat Historisches geschafft. Er ist jetzt amtierender Weltmeister, Europameister, Champions- und Europa-League-Sieger. Das mit den Champions wird sich am 25. Mai erledigt haben, da werden Chelsea und Torres von Bayern München oder Borussia Dortmund abgelöst. Sein Landsmann und Mitspieler Juan Mata hat sich dieses Quartett auch gelegt, allerdings wurde er in den Endspielen nicht immer eingesetzt. Insofern ist Torres historischer.

"Ich bin der Größte", würde er nie sagen: weil es Größere gibt. Damit hat Torres, dem Angeber ein Gräuel sind, überhaupt kein Problem.

Am 20. März 1984 in Madrid in soliden Verhältnissen geboren, hat er ab der Krabbelphase nahezu ausschließlich mit Bällen gespielt. Er war ein braves, angepasstes Kind. "Meine Geschwister waren viel schlimmer." Bei Atlético Madrid erlernte er den richtigen Fußball, zunächst als Tormann. Das wäre aber eine Verschwendung gewesen, also wurde er zum Stürmer umgepolt. El Niño war schnell, kopfballstark, technisch auf Zack und schussstark. Er ist es immer noch.

2007 hat ihn Liverpool um knapp 40 Millionen Euro gekauft, er wurde zum Liebling der Fans, netzte nach Belieben. Im EM-Finale 2008 in Wien machte er das 1:0 für Spanien gegen Deutschland, drei Jahre später nahm Roman Abramowitsch 60 Millionen Euro aus der Portokassa. Und Torres wurde zur Lachnummer bei Chelsea. Er erkrankte an einer Art Legasthenie, konnte Lauf- und Passwege nicht mehr lesen. In den ersten zwölf Partien schoss er genau null Tore. "Mittlerweile bin ich geheilt, das war harte Arbeit." 2009 hat er seine Jugendliebe Olalla geheiratet, sie sind Eltern einer braven Tochter und eines braven Sohnes. "Ich habe die beste Zeit noch vor mir", sagt El Niño. (Christian Hackl, DER STANDARD, 17.5.2013)

  • Der Spanier Fernando Torres hat im Fußball viel erreicht.
    foto: epa/bas czerwinski

    Der Spanier Fernando Torres hat im Fußball viel erreicht.

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