Deutsche Grüne: Ein Herz für Kinder - und für Pädophile

16. Mai 2013, 18:24
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Die deutschen Grünen arbeiten ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit auf

Sex mit Kindern? Wer immer von der Spitze der deutschen Grünen sich in diesen Tagen dazu äußert, hat eine klare Haltung. "Der Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch war und ist uns ein zentrales Anliegen", sagt Parteichef Cem Özdemir. Ähnlich Co-Chefin Claudia Roth: "Immer war und ist es Anliegen der Grünen, die Rechte von Kindern zu stärken und Hilfsprojekte für misshandelte Kinder zu unterstützen." In der Tat: Es gibt niemanden bei den Grünen, der für die Abschaffung des Paragrafen 176 im Strafgesetzbuch eintritt. Dort steht geschrieben, dass Sex mit Minderjährigen verboten ist.

Und dennoch haben die deutschen Grünen gerade eine recht unangenehme Debatte über mangelnde Distanz zu Pädophilen am Hals. Der "Spiegel" enthüllte, dass die 1980 gegründete Partei sich in ihren Anfangsjahren für die Rechte Pädophiler eingesetzt hat.

So finanzierten Bundespartei und Bundestagsfraktion auf direktem Weg die sogenannte Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle. Diese "BAG SchwuP" sprach sich offen für eine Legalisierung von Sex mit Kindern aus.

Parteiinterne "Schwuppis"

"Die Grünen waren bundespolitisch die einzige Hoffnung für Pädophile", sagt Kurt Hartmann, ein ehemaliges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft. 1985 hatten die "Schwuppis", wie sie parteiintern genannt wurden, ihren größten Erfolg: Auf dem Programmparteitag der nordrhein-westfälischen Grünen wurde ein Papier abgesegnet, das "gewaltfreie Sexualität" zwischen Erwachsenen und Kindern erlauben sollte.

Die Diskussion über einen weniger verklemmten Umgang zwischen Kindern und Erwachsenen entsprach gut zwei Jahrzehnte nach der 68er-Revolution zwar dem Zeitgeist, aber die Forderung nach straffreiem Sex ging vielen doch zu weit. Das Papier wurde wegen der großen Empörung wieder kassiert.

"Völlig inakzeptabel" nennt Jürgen Trittin, Fraktionschef und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, die damalige Forderung. Der Bundesvorstand der Grünen hat nun beschlossen, dieses dunkle Kapitel der Parteigeschichte aufarbeiten zu lassen. Bis Jahresende soll ein unabhängiger Parteienforscher seinen Bericht vorlegen.

Cohn-Bendit wehrt sich gegen Vorwürfe

Er wird vermutlich auch mit Daniel Cohn-Bendit das eine oder andere Gespräch führen. Der grüne Europaabgeordnete - ein Alt-68er, der vielen in der Partei als Galionsfigur gilt - muss sich seit längerem gegen den Vorwurf der Pädophilie wehren.

Anfang der 1970er-Jahre war er Kindergärtner in Frankfurt und beschrieb den Kontakt mit den Kindern 1975 in seinem Buch "Der große Basar" so: "Mein ständiger Flirt mit den Kindern nahm erotische Züge an. Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln."

Zwar erklärt er dies heute zur puren Fiktion und nennt die Passage "geschmacklos, dumm, eine Provokation". Doch die Empörung ist groß. Andreas Voßkuhle, der Präsident des deutschen Bundesverfassungsgerichts, sagte vor einigen Wochen die Festrede anlässlich der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Cohn-Bendit wieder ab, da der Grünen-Politiker sich "in nicht unproblematischer Weise zur Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern" geäußert habe.

Und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt erklärt, er habe "große Zweifel, dass es richtig ist, wie die Grünen probieren, die schützende Hand über so einen widerwärtigen Typen wie den Cohn-Bendit zu halten". (Birgit Baumann, DER STANDARD, 17.5.2013)

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