Wie die Ruderer wieder etwas reißen wollen

16. Mai 2013, 18:12
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Rudern war eine der erfolgreichsten Sportarten in Österreich. Zuletzt wurde zweimal en suite Olympia verpasst. Nun will der Verband mit neuem Präsidenten und neuem Trainer an frühere Erfolge anknüpfen

Wien - Zumindest was den Rudersport angeht, ist "Zurückrudern" eine Tautologie. Ruderer rudern immer zurück, nicht zuletzt das unterscheidet sie von Kanuten. Doch natürlich kann man vorausschauend rudern, und also gibt Horst Nussbaumer, der neue Präsident des Verbands (ÖRV), im Gespräch mit dem Standard schon einen Ausblick. "Bei Olympia 2016 in Rio werden wir Ruderer wieder vertreten sein."

Nussbaumer (41) will seinen Sport wieder dorthin bringen, wo er vor vielen Jahren war. Zu den Spielen, zu Erfolgen. Seit 1936 (Berlin) war der ÖRV bis inklusive 2004 stets olympisch vertreten gewesen, 2008 riss diese Serie - und zwar eindrucksvoll, wie sich 2012 bestätigte. Vorbei die Zeiten, da Arnold Jonke und Christoph Zerbst 1992 in Barcelona Silber gewannen. Vorbei die Zeiten, da sechs Boote entsandt wurden (Atlanta 1996). Da mit Bauer/Sinzinger und Rantasa/Schmölzer weitere Zweier für WM-Medaillen sorgten. Da Nussbaumer, der jetzige Präsident, in einem Vierer saß, der WM-Bronze (1998) holte und auf dem legendären Rotsee gewann. Es war bei der Regatta in Luzern der letzte Erfolg Österreichs, und es war 1999.

Der Oberösterreicher Nussbaumer, der in Wien als Bankangestellter arbeitet, trat im März die Nachfolge von Helmar Hasenöhrl (71) an. Unter Hasenöhrls Führung waren einerseits die vielen Erfolge, war andererseits aber auch der Niedergang gefallen. Nussbaumer will nicht alles, aber einiges verändern. "Aus den letzten acht Jahren gibt es kein Archiv mit Testergebnissen", bedauert er und postuliert drei Prinzipien. "Alle österreichischen Ruderer sollen künftig dieselbe Technik erlernen. Alle sollen sich an denselben Trainingsplänen orientieren. Und alle sollen in einem Testsystem erfasst sein." Daraus sollte sich automatisch ergeben, " dass jeder mit jedem rudern kann". Auch der Wechsel eines Skullers, der also gewohnt ist, Ruder an beiden Seiten durchs Wasser zu ziehen, in ein Boot mit Riemenruderern, die jeweils nur ein Ruder halten, und vice versa soll laut Nussbauer möglich sein. "Wer nach Rio will, muss beides draufhaben - und für alles offen sein."

Demnächst, ab Ende Mai und in Sevilla, findet eine EM statt, der im August und in Südkorea eine WM folgt. Österreich hat neben einem neuen Verbandsboss auch einen neuen Nationaltrainer, den Dänen Carsten Hassing (46). Dieser ruderte 1992 selbst olympisch und mit dem dänischen Achter auf Rang sieben. Als Trainer war er in Kanada und zuletzt Norwegen tätig. Hassing will "fünf oder sechs Boote" heuer zur WM und ebenso viele 2016 nach Rio bringen. "Es gibt", sagt er "genügend gute Ruderer in Österreich. Und es gibt gute Vereine." Derzeit hat Österreich ein, nun ja, Übergewicht in den Leichtgewichtsklassen, von de-nen allerdings nur drei olympisch sind. Zur EM nach Sevilla schickt der ÖRV vier "leichte" Boote und zwei schwere.

Was Hassing auch bemerkt hat: "Es gibt viele Meinungen in Österreich." Nussbaumer ergänzt: "Oft wird Meinung mit Kompetenz verwechselt." Mangel herrscht jedenfalls an Infrastruktur. Das in Wien zur WM 1991 erbaute Ruderzentrum verfällt zusehends. Die Ruderer hoffen auf eine Renovierung und einen Ausbau und wollen mit den Kollegen der Sparte Wildwasser, die in der Nähe eine Strecke errichten, über eine geteilte Benützung der sanitären Anlagen und Garderoben reden. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 17.5.2013)

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ÖRV

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    Das waren Zeiten: Raphael Hartl, Horst Nussbaumer (nun ÖRV-Chef), Arnold Jonke und Norbert Lambing (von links) waren WM-Dritte 1998 und feierten 1999 Österreichs letzten Sieg bei der legendären Rotsee-Regatta.

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    Hassing will fünf Boote an die Spitze der Welt führen.

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