Berater raten ORF: Versorgungsauftrag für Mobile, Facebook & Co

16. Mai 2013, 17:45
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Boston Consulting referiert ORF-Forderungen (laut ORF) als "Kernergebnisse" ihrer Strategiearbeit - Versorgungsauftrag: Social Media, Mobile und Crossmedia-Vermarktung - Mehr Onlinewerbung

Was der ORF Donnerstagabend aus den "Kernergebnissen" seiner Strategieberater von Boston Consulting in eine Aussendung destillierte, deckt sich frappierende mit Forderungen des ORF. Hier der erste Überblick.

Boston-Consulting-Managerin Antonella Mei-Pochtler überlässt es Wrabetz, per ORF-Aussendung einen erweiterten Versorgungsauftrag zu fordern: "Damit er seinen Kernauftrag auch 2020 noch erfüllen kann, muss jedoch der Versorgungsauftrag angepasst werden, speziell im Online- und Mobilebereich braucht der ORF mehr Freiheitsgrade." Derzeit liegt das Verfahren über ORF und Facebook beim Verfassungsgerichtshof.

Versorgungsauftrag neu definieren

Als eines der "Kernergebnisse" von Boston nennt der ORF also, den Versorgungsauftrag neu zu definieren. O-Ton der Zusammenfassung: "Vor allem Einschränkungen wie das Social-Media-Verbot, die Beschränkung bei mobilen Angeboten und das crossmediale Vermarktungsverbot sind kritisch zu sehen."

Ebenfalls als "Kernergebnis" von Boston Consulting nennt der ORF die Forderung nach mehr Onlinewerbemöglichkeiten. Den gültigen Limits stimmte er beim ORF-Gesetz 2010 noch selbst zu. Nun zitiert er als Kernergebnis: "Online-Werbung wird am stärksten wachsen. ORF braucht mehr gesetzlichen Spielraum, um diesem Trend Rechnung zu tragen."

Gebührenredundierung

Und noch ein "Kernergebnis" der Berater deckt sich mit bekannter ORF-Forderung: "Um die Gebührenerträge stabil zu halten, ist eine automatische Valorisierung nötig, weiters muss die Refundierung der durch Befreiungen entgehenden Mittel abgesichert werden, um die ORF-Finanzierung nachhaltig zu sichern."

Weitere Erkenntnisse der Berater: "Sonstige Erlösquellen bergen einige Potenziale, sind jedoch nicht substanziell steigerbar (auch nicht Lizenzgeschäft), um allfällige Ertragsrückgänge zu kompensieren. " Und: "Die ORF-Strukturen müssen nicht nur weiter auf Effizienz getrimmt, sondern vor allem in Richtung Crossmedialität weiterentwickelt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

Boston empfiehlt auch, statt getrennt Marktanteile und Reichweiten in TV, Radio, Online zu zählen, alle Kontakte mit ORF-Medien gemeinsam zu zählen. Unter zehn dieser "Touchpoints" pro Kopf und Tag beginnt die zu meidende "Vermissensquote", sagt ORF-Chef Alexander Wrabetz. Das Grundmodell, "Atomium" genannt, stammt laut mit dem Strategieprozess Vertrauten auch von Wrabetz.

Kenner der Materie taxieren das Boston-Projekt grob mit um 200.000 Euro, andere ORF-Insider sprechen vom mehr als dem doppelten Betrag. (fid, derStandard.at, 16.5.2013)

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    foto: standard/fb

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