Als die Schüler wieder Manifeste schrieben

16. Mai 2013, 17:44
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"Ich mach die Welt", inszeniert von Arash T. Riahi und Yvonne Zahn

Wien - Die Schüler zweier Lehranstalten im 23. Wiener Gemeindebezirk hatten eingeladen. Unter dem Titel Ich mach die Welt gab es in der Anton-Krieger-Gasse das garantiert jüngste Theater der Wiener Festwochen zu bestaunen.

Rund 60 Oberstufenklässler erprobten sich in diversen Spielformen der Agitation. Gäste und Sympathisanten wurden von bemerkenswert barschen Platzanweisern durch das Schullabyrinth geschleust. Schulgebäude sind unwohnliche Orte. Diejenigen, die hier arbeiten und viel Tageszeit verbringen, müssen einen Frohsinn vorschützen, der durch keinen Lehrplan der Welt gerechtfertigt erscheint.

Der von Arash T. Riahi und Yvonne Zahn inszenierte Abend bannt erfolgreich jeden Anflug von Tristesse. Die Jugendlichen artikulieren lautstark, manchmal sogar geschliffen ein generelles Unbehagen an der Welt. Die Titelwörter der kleinen Spielszenen wären: "Respekt", "Courage" , "Menschenrechte", "Heimatrecht", "Nachhaltigkeit". Erstaunlich scharf hingegen werden die Codes der Coolness hinterfragt. Stolz führt man Klosettanlagen als Brutstätten des Aufruhrs vor. Von höchster Wichtigkeit scheint generell das Gefühl, wahrgenommen zu werden: "Ich bin nicht die Werbung, ich bin der Film!"

Unter vielen kleinen, liebenswürdigen Details einer bunt gefächerten Aufführung ragen zwei bestürzende Fakten hervor. Erstens: Die Kids von heute sprechen sich in aller Form gegen Drogen aus. Zweitens: Man schreibt wieder Manifeste. Gut so.  (Ronald Pohl, DER STANDARD, 17.5.2013)

22. bis 24. 5., Wien 23., Anton-Krieger-Gasse 25

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