Hypo-Kauf erfolgte unter Zeitdruck

16. Mai 2013, 17:37
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Auf der Suche nach einer Bank mit Osteuropa-Engagement drückten die Bayern aufs Tempo

Wien/Klagenfurt/München - Beim Zivilprozess der Bayerischen Landesbank (BayernLB) gegen die Hypo Alpe Adria Mitarbeiter Privatstiftung (MAPS) am Handelsgericht Wien wurden am Donnerstag zwei ehemalige MAPS-Vorstände als Zeugen befragt. Sie gaben an, am 16. Mai 2007, sechs Tage vor der Unterzeichnung der Aktienkaufverträge der BayernLB mit diversen Hypo-Eigentümern, von der Kaufabsicht der BayernLB durch Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer erfahren zu haben. Kulterer, damals Aufsichtsratschef der Hypo und MAPS-Vorstandsmitglied, wurde vom MAPS-Gesamtvorstand für die Verhandlungen mit den Bayern ermächtigt. Die Bayern sollen den Zeugen zufolge unter Druck gestanden sein, weil sie bei der Bawag gescheitert waren, und es bis dahin auch nicht geschafft hatten, eine Bank mit Osteuropa-Engagement zu kaufen.

Falsche Zahlen?

Hintergrund des Zivilprozesses mit einem Streitwert von zehn Mio. Euro ist, dass die BayernLB sich unter anderem von der MAPS über die Kapitalausstattung der Kärntner Hypo "arglistig" getäuscht sehen. Ihrer Meinung nach war das Eigenkapital der Kärntner Bank aufgrund von eigenkapitalschädlichen Nebenabreden zu Vorzugsaktien der Hypo Leasing um zumindest 150 Mio. Euro zu hoch ausgewiesen. Deshalb fechten die Bayern die zwei Kaufverträge über Hypo-Aktien gerichtlich an, die sie mit der MAPS 2007 geschlossen hatten. Die MAPS weist diese Vorwürfe zurück.

Am 22. Mai 2007 kauften die Bayern eine Mehrheit an der Kärntner Hypo von 50 Prozent plus eine Aktie von diversen Eigentümern, rund 1,5 Prozent kamen damals von der MAPS. Im Dezember 2007 kauften die Bayern erneut Hypo-Aktien der MAPS. Insgesamt zahlten die Bayern der MAPS rund 117 Mio. Euro für deren Hypo-Paket.

Großer Zeitdruck

Ex-MAPS-Vorstand Bernd Kreutzer berichtete als Zeuge, dass Kulterer in einer MAPS-Vorstandssitzung am 16. Mai erklärte, dass die Bayern die Mehrheit der Kärntner Hypo erwerben wollten. Für die MAPS sei die Entwicklung der Bank wichtig gewesen. Deshalb wurden Kulterer Bedingungen für die Verhandlungen mit den Bayern vorgeschrieben, etwa dass die Zentrale für das Geschäft in Ost- und Südosteuropa in Klagenfurt bleiben sollte, so Kreutzer. Er schließe es aus, dass Kulterer oder Ex-Hypo Chef Tilo Berlin im MAPS-Vorstand je etwas über Nebenabreden zu Vorzugsaktien gesagt hätten, sagte Kreutzer auf eine Frage.

Es habe einen großen Zeitdruck beim Abschluss der Kaufverträge gegeben. Für Kreutzer habe es sich damals die Lage so dargestellt, dass die Bayern zum Kauf der Mehrheit auch die Hypo-Aktien der MAPS benötigten. Warum es zwei Aktienverträge gab, konnte Kreutzer nicht erklären. Die MAPS habe im Mai 2007 Zusicherungen von den Bayern verlangt, dass auch der zweite Kaufvertrag zustande komme, so Kreutzer. Dieser wurde dann im Dezember desselben Jahres abgechlossen.

Ostbanken als Schmuckstück

Sein ehemaliger Kollege im MAPS-Vorstand Werner Müller sagte aus, dass er am 22. Mai 2007 bei der Unterzeichnung der Kaufverträge über die Hypo-Aktien mit der BayernLB erstmals deren damaligen Chef Werner Schmidt kennegelernt hatte. Damals sei "Gott und die Welt" anwesend gewesen. Beim späteren Closing im Oktober 2007 sei er in der Nähe von Schmidt gesessen. Nach dem Shake-Hand mit dem damaligen Hypo-Chef Tilo Berlin habe der BayernLB-Chef "ein erleichtertes Schnaufen von sich gegeben", erinnerte sich Müller.

Müllers Ansicht nach stand Schmidt unter Druck, weil er bei der Bawag gescheitert war, und es bis dahin auch nicht geschafft hatte, eine Bank mit Osteuropa-Engagement zu kaufen. Damals sei nur mehr die Hypo mit einer solchen Positionierung am Markt gewesen. "Für mich war die Bank (Hypo, Anm.) damals mehr als in Ordnung, sonst hätten die Bayern sie nicht gekauft", betonte Müller.

Der Prozess wird am Dienstag (21.Mai) am Handelsgericht Wien mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt. (APA, 16.5.2013)

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