Rotlichtprozess: Ein Herr, ein Boxer und ein BMW

16. Mai 2013, 17:58
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Mutmaßliches Schutzgeld sei "Nachbarschaftshilfe" gewesen, sagte der Angeklagte

Wien - "Er war uns gegenüber ein Herr", sagt Dusko "Rocky" R. über seinen Exarbeitgeber Richard Steiner im Prozess um eine angeblich von Letzterem geleitete kriminelle Organisation im Wiener Rotlichtmilieu. Um seine Ansicht zu illustrieren, bietet der 57-Jährige einen Vergleich: "Ich liebe Autos. Bei H. (seinem vorherigen Chef, Anm.) bekam ich einen Golf, Richard hat mir ein rotes BMW-Cabrio geboten."

Immer wieder steht der Exprofiboxer vom Anklagestuhl auf und gestikuliert vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Stefan Erdei. Unterstreichen will er, dass die Vorwürfe, er habe Schutzgeld von Lokalbetreibern erpresst, hanebüchener Blödsinn seien. Es sei " Nachbarschaftshilfe" gewesen, ein Pool, um im Bedarfsfall Securitys anfordern zu können. "Es hat Respekt und Ruhe durch Richard gegeben."

Ein Name mit großem Gewicht

Ausweichender wird er bei anderen Themen, etwa bei einem "Einsatz" in einem Lokal. Dort habe man drei Männer hinauskomplimentiert und sich verteidigt. Warum die drei anschließend mit Knochenbrüchen ins Spital kamen, einer davon ohne Schuhe, kann sich D. so gar nicht erklären.

Ebenso wenig, warum andere Wirte berichten, er habe ihnen gesagt, man müsse sich bei Steiner eine "Genehmigung" holen, um am Gürtel tätig sein zu dürfen. Überhaupt interessiert Vorsitzenden Erdei, warum der Name "Steiner" so großes Gewicht in der Szene hatte. "Rocky" weiß es nicht, nur, dass bei dem "Niveau, Seriosität, Respekt und Haltung" wichtig waren.

Freitag wird fortgesetzt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 17.5.2013)

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