Wien: Rot-schwarze Front gegen grünen Widmungsplan

16. Mai 2013, 17:01
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ÖVP und SPÖ fordern neue Bauflächen, Planungsstadträtin Vassilakou verweist darauf, dass heuer 12.000 Wohnungen gewidmet werden

Wien - Im Streit um den Wiener Wohnbau melden sich nun auch die Stadtschwarzen zu Wort. "Wir fordern eine Wohnbauoffensive", sagt VP-Klubchef Fritz Aichinger "und hier liegt der Ball eindeutig bei Maria Vassilakou: Sie ist für die notwendigen Widmungen verantwortlich." Seit die Grüne das Planungsressort übernommen hat, sei die Zahl der Flächenwidmungen massiv gesunken, sagt Aichinger: "Während es unter dem roten Planungsstadtrat Schicker 2009 noch 70 Widmungen gab, waren es 2012 unter Vassilakou nur noch 61." Um in den nächsten Jahren im wachsenden Wien genügend leistbaren Wohnraum zu schaffen, brauche man dringend neue Flächen. "Da ist Vassilakou viel zu langsam."

"Viele Ballons in der Luft"

Eine Ansicht, die nicht nur die Opposition vertritt, sondern auch der Koalitionspartner. "Wir haben viele Ballons in der Luft", sagt der rote Klubchef Rudi Schicker, "bringen aber nur sehr wenige auf den Boden." Das einzige große Projekt, das nicht aus seiner Zeit als Planungsstadtrat stamme, sei der Westteil des Entwicklungsgebietes in Aspern. "Das wird in ein paar Jahren zum Problem", sagt Schicker. Denn durchschnittlich lägen zwischen Widmung und Bau acht Jahre. "Wenn es keine Irritationen wie auszusiedelnde Tiere oder verärgerte Anrainer gibt." Eine ausreichende Zahl an Reserveflächen sei deshalb zentral.

Dass dieser Vorgang ins Stocken geraten sei, sei sicher keine böse Absicht der Planungsstadträtin, sagt der Ex-Planungsstadtrat, sondern vielmehr auf den Umstand zurückzuführen, dass Vassilakou lange über Details verhandle, die sich dann "eh nicht verwirklichen lassen": "Über Glashäuser auf dem Dach muss man noch nicht bei der Widmung verhandeln."

Stolz auf grüne Dächer

Das sehen die Grünen gänzlich anders. Im Konzept, Bauträger bereits bei der Widmung grünraumtechnisch so viel wie möglich dreinzureden, sieht die Planungsstadträtin eine wichtige Errungenschaft. So sind auf dem Gebiet "In der Wiesen Süd" laut kürzlich beschlossenem Flächenwidmungsplan ein zentraler, autofreier Freiraum zwischen den Wohnhäusern sowie intensive Dachbegrünungen geplant. Auf der Fläche im 23. Bezirk sollen 2015 die Bagger auffahren und 2017 die ersten Bewohner einziehen.

"Den Vorwurf, wir würden zu wenig neue Bauflächen widmen, weisen wir entschieden zurück", sagt Vassilakou-Sprecher Dominik Krejsa, "denn die bisherige Bilanz zeigt, dass wir es allein heuer schaffen werden, 12.000 Wohnungen zu widmen." Neben In der Wiesen Süd sei die Erdberger Lände der zweite große Brocken. Auf den beiden Flächen sollen in einigen Jahren insgesamt 4500 Menschen leben.

Nicht absehbar ist, wann das neue Hochhaus bei der Reichsbrücke gebaut wird. Der Präsentation der "Danube Flats" durch Investor Soravia Group und Grün-Gemeinderat Christoph Chorherr folgten massive Anrainerproteste. Inzwischen hat ein Fachbeirat das Projekt durchleuchtet - und empfiehlt die gänzliche Überarbeitung.

Brache hinterm Westbahnhof

Planlos ist die Stadt noch beim Westbahnhofgelände. Nach der Eröffnung des Hauptbahnhofes 2015 werden dort wesentlich weniger Züge fahren und große Flächen brachliegen. Die FPÖ sammelt derzeit Unterschriften für eine mögliche Überbauung. "Die Stadtregierung hat dieses wichtige Stadtentwicklungsprojekt bisher nicht ernsthaft verfolgt", sagt Dietbert Kowarik, FP-Parteiobmann im 15. Bezirk. Laut Vassilakou-Büro gibt es Gespräche mit der ÖBB über die Zukunft des Areals. (Martina Stemmer, DER STANDARD, 17.5.2013)

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